Resolution

Storys mit unbefriedigender Auflösung

von D.S.
RESOLUTION hat eine ziemlich originelle Geschichte zu erzählen - entscheidet sich aber viel zu spät dazu, sie wirklich auszuspielen und auf den Punkt zu kommen. Bis dahin geriert sich der Film eher als ernsthafte Auseinandersetzung mit den Themen Drogen (und was sie aus dir machen können), Ziele im Leben, Anpassung an gesellschaftliche Normen und das Finden eines eigenen Weges. Das tut er zwar auf durchaus interessante Weise, die beiden Hauptdarsteller spielen gut und die meisten der ausführlichen Dialoge vermeiden es auch zu langweilen. Die Entzugserscheinungen und der Seelenzustand des Junkies Chris, den sein alter Freund Michael per Radikaltherapie vom Crack wegbringen will, werden jedoch niemals eindringlich genug dargestellt und damit fausreichend nachvollziehbar gemacht, was einigermaßen seltsam ist - schließlich drehen sich 80% der Laufzeit des Films eigentlich um nichts anderes.

Das größere Problem ist allerdings, dass RESOLUTION ja nun mal etwas anderes als ein Drogen- oder auch Buddy-Film sein will, nämlich ein Mystery-Thriller. Das deutet er aber weite Strecken immer nur wieder kurz an: Als Michael in der Umgebung der abgefuckten Bleibe von Chris oder auch in ihr selbst verschiedenste Datenträger findet, die ihm offenbar merkwürdige Geschichten zu erzählen versuchen. Wobei diese Geschichten immer näher an die von ihm und Chris heranrücken, bis sie fast mit ihrem Schicksal zu interagieren scheinen... und auch sonst diverse höchst merkwürdige Dinge passieren.

Das ist dann auf jeden Fall interessant, manchmal glatt spooky, und was dahinter steckt, ist - wie erwähnt - tatsächlich recht ungewöhnlich und als originelle Idee zu bezeichnen. (Daneben ist es recht amüsant, wie Chris Michaels wachsende Befremdung über die Seltsamkeiten als lächerlich und der blanken Einbildung geschuldet klassifiziert und sich die Rollen von halluzinierendem Drogenopfer und Typen mit gesundem Menschenverstand förmlich umkehren.)

Die Handlung konzentriert sich aber erst in den letzten 10-15 Minuten auf diesen Aspekt der Story und lässt nun endlich auch zu, dass er zur Story selbst wird - wobei er sogar dann, in einem Moment höchster nervlicher Anspannung, noch einmal von einem „Drogen-Dialog" unterbrochen wird, was in der gegebenen Bedrohungssituation reichlich unglaubwürdig wirkt. Als dann endlich klar wird, worauf der Film hinaus will, gibt er seinem Terrorszenario kaum genug Raum, sich zu entfalten und kommt dann viel zu plötzlich zu einem Ende.

Sehr unbefriedigend, das mühsam aufgebaute Potenzial der Mystery-Story wird weitestgehend verschenkt und so entsteht fast der Eindruck, man habe sich nicht recht für eine Stoßrichtung des Films entscheiden können: Wenn Drogendrama, wozu dann alles Übersinnliche? Wenn Mystery, warum dann ein so großer Schwerpunkt auf dem dann letztlich nebensächlichen Handlungsrahmen?

Oder wollte man hier gar Parallelen ziehen zwischen den merkwürdigen Phänomenen und ihrer spät klar werdenden Bedeutung einerseits und dem menschlichen Süchtigkeitsverhalten andererseits? Das wäre dann aber arg platt - und das will ich dem intelligent angelegten Auftritt des Ganzen dann doch nicht unterstellen.
Bin zusammengefasst etwas unschlüssig sowie leicht enttäuscht von der dargebotenen Inkonsequenz und vergebe 5 Punkte. Hier wäre definitiv mehr drin gewesen.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 9, Frankfurt

09.09.2012, 03:35



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