The Dark Hours

Im Dunklen kommt alles ans Licht.

von D.S.
Ein sehr intelligenter kleiner Film, der mehrere Interpretationsebenen eröffnet, ohne dabei jemals unterkühlt intellektuell zu wirken - und bei dem es ratsam ist, immer ganz genau hinzuschauen.

"The Dark Hours" operiert vielschichtig. Er besticht nicht nur durch packende Suspense und das Greifbar-Machen des Gefühls, das eigene Schicksal in der Hand eines anderen wiederzufinden, einem schwer gestörten Killer und seinen perversen Spielchen ausgeliefert zu sein. Genauso beeindruckt er durch das schmerzhafte Erörtern schmerzhafter Fragen - nicht nur im Hinblick auf das Wesen und Handeln der Filmfiguren, sondern darüber hinaus auch in übergeordnetem Kontext. Fragen nach der Verantwortung des Einzelnen für seine Taten; nach dem Maß, mit dem man sich und andere mißt; danach, wie ehrlich man eigentlich zu sich selbst ist, wenn man seine eigenen moralischen Standards definiert.

Wir erleben hier ein ungemein gut gespieltes, intensives, bedrohliches Kammerspiel um Macht, Abhängigkeit, Verantwortung und Moral auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Dabei bietet "Dark Hours" ein souveränes Jonglieren mit diesen Ebenen; der Zuschauer wird fast unmerklich in ein immer dichteres Spinnennetz persönlich mit eingewoben, bis er irgendwann feststellt, daß es schlicht keine einfachen Antworten GIBT.

Die Erzählung ist unspektakulär und sorgfältig inszeniert, die Atmosphäre ist in zunehmendem Maße schonungslos, düster und beklemmend. Es werden Psyche und Intellekt des Betrachters herausgefordert, und auch vor vereinzelten expliziten Darstellungen körperlicher Gewalt schreckt der Film nicht zurück. Die brutalste Gewalt spielt sich hier jedoch im Kopf ab...

Wesentlich mehr kann kaum geschrieben werden, ohne den Film zu spoilern. Nur dies noch: wer bereit ist, sich auf die zunächst eher ruhige Gangart von "Dark Hours" einzulassen, bekommt viel mehr geboten, als man anfangs glauben mag - wobei der Film durchaus auch nachwirkt. Seine einzige Schwäche ist vielleicht die Auflösung der Geschichte, die sie im Nachhinein entweder leicht beliebig erscheinen läßt oder aber ein paar logische Fehler im Aufbau der Handlung nahelegt. Jedenfalls scheint mir das nach dem ersten Sehen so; um das objektiv beurteilen zu können, müßte ich "The Dark Hours" noch einmal sehen - was ich jederzeit gerne tun würde.

Zweifellos ein herausragender Film, Pflichtprogramm. 8 Punkte.

PS: Nur am Rande sei erwähnt, daß das Programmheft in seiner Beschreibung einen Fehler macht. Der Patient, mit dem die Psychiaterin Samantha Goodman zu Beginn des Films konfrontiert wird, ist ein anderer als der, welcher ihre Familie später zu Geiseln macht. Jene Auseinandersetzung dient meiner Meinung nach nur dazu, einen ersten Einblick in das Wesen unserer Hauptfigur zu vermitteln.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis, Frankfurt

15.08.2005, 14:13



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