Im Wust der vielen Filme neige ich dieses Jahr dazu, besonders zwei bestimmte ständig miteinander zu verwechseln: "Freeze Frame" und "Feed". Nein, das liegt NICHT daran, daß es sich in beiden Fällen um Thriller handelt, deren Titel mit "F" beginnen. Sondern daran, daß der eine wie der andere durch seine extrem konstruiert wirkende Story gehörig den Spaß am Sehen verdorben hat.
Dabei ist "Freeze Frame" natürlich der wesentlich bessere Film. Wo "Feed" (den ich, im Nachhinein betrachtet, ein ganzes Stück zu gut bewertet habe) zwar nicht vom Sujet, aber von der Inszenierung und vom Look her kein Stück aus der Masse herausragt, ist "Freeze Frame" zumindest visuell extrem innovativ. Wenn die fast ausschließliche Verwendung von blassen Blau- und Grautönen, der verwaschene Metallic-Look mir auf Dauer zwar ein wenig zu eintönig war, schafft er es doch zweifelsfrei, Einsamkeit, Paranoia, Kälte, Verzweiflung zu transportieren - die Gefühlslage, in der sich der Protagonist befindet, seitdem er vor zehn Jahren unschuldig (?) eines Mordes bezichtigt wurde. Er ist Gefangener seiner Angst, jemals wieder verdächtigt zu werden, und Gefangener einer Gesellschaft, die in ihm immer noch den Schuldigen sieht; ein Monster, das kein Recht hat, am Leben der Allgemeinheit teilzuhaben.
Um künftigen Anschuldigungen Beweise entgegensetzen zu können, filmt er sich rund um die Uhr mit einer Vielzahl von Kameras. Sie sind es, die den Film neben seiner Farbgebung am stärksten prägen: denn der überwiegende Teil der Handlung wird uns aus der Sicht dieser Kameras gezeigt. Dabei wechselt die Darstellung zwischen dem Bild von Überwachungskameras, Webcams, Handhelds usw., zwischen griseligen Fullframe-Aufnahmen und unscharfen Splitscreens, die meist vier verschiedene Kameraperspektiven gleichzeitig auf die Leinwand bringen.
Wie schon angedeutet, ist die Bildführung des Films dabei nicht nur stilistisches Mittel zur Generierung von Aufmerksamkeit, sondern hat gleichzeitig einen unmittelbaren inhaltlichen Bezug. Der Film arbeitet also auf sehr intelligente Weise und gleichzeitig innovative Weise mit dem Medium, wobei er im Verlauf der Handlung immer deutlicher Stellung bezieht zur Macht genau dieses Mediums (und generell der Medien): im Kern ein Krimi, ein nahezu klassischer "Whodunnit" im Paranoia-Setting, klagt "Freeze Frame" ganz nebenbei nachdrücklich, wenn auch leider auf zu plakative Weise, den Einfluß an, den die Berichterstattung in Print und TV heutzutage auf uns hat; er führt uns vor Augen, wie leicht aus Vermutungen scheinbare Wahrheiten konstruiert werden können - wenn man nur die richtigen Bilder zur Hand hat.
Dummerweise gilt das aber auch für "Freeze Frame" selbst auf gewisse Weise. Natürlich, er ist spannend inszeniert, und er hat ganz ohne Frage die "richtigen Bilder", um uns bei der Stange zu halten. Zu oft aber verhalten sich seine Figuren - die übrigens, abgesehen von der grandios gespielten Hauptfigur, nicht immer optimal besetzt wirken und teilweise extrem blaß bleiben - einfach zu unglaubwürdig; zu offensichtlich ist die Story einfach bei weitem zu unrealistisch angelegt, von ihrer Ausgangssituation wie auch von ihrem Verlauf und Ausgang her. Das ist ein großes Ärgernis, denn bei genauerer Betrachtung gewinnt man leicht den Eindruck, der Film würde nur auf seiner außergewöhnlichen visuellen Umsetzung aufbauen.
Die interessante Form reicht aber angesichts einer letztendlich schwer konventionellen Geschichte, die zudem meist ziemlich konstruiert erscheint, nicht aus, um aus "Freeze Frame" einen wirklich überdurchschnittlichen Film zu machen. Wer Lust auf optische Reize hat, sollte sich den Film unbedingt ansehen - aber ich werde das Gefühl nicht los, daß hier grandios viel Potential durch ein schwaches Drehbuch fahrlässig verschenkt wurde. Darum leider nur 6 Punkte. |