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Anthony Zimmer (2005)

Verbrecherjagd im großen Stil

Für Freunde des unterhaltsam inszenierten Krimis mit integriertem Rätselraten bei schöner Optik ist "Anthony Zimmer" ohne Frage eine gute Wahl. Wer ist der brillante Geldwäscher und Gentleman-Schwerverbrecher Zimmer wirklich? Wie sieht er jetzt, nach größerem chirurgischen Eingriff (der absurderweise auch seine Stimme unkenntlich verändert hat...), aus? Wird der ärmliche Übersetzer Francois der Verfolgung durch Polizei und russische Mafia entkommen, nachdem er aufgrund heimtückischer Maßnahmen der geheimnisvollen Chiara für Zimmer gehalten wird? Und welche Rolle spielt diese Frau wirklich?

Fragen, die der elegante französische Hochglanzbeitrag, stets stilsicher und recht charmant vorgehend, erst am Ende seiner Laufzeit beantwortet. Auf dem Weg dorthin verliert er allerdings manchmal zu sehr an Tempo und wirkt zu selbstverliebt, um Zuschauer, die keine ausgemachten Krimifans sind, ausreichend zu fesseln. Auch fallen die Antworten meiner Meinung nach nur bedingt befriedigend aus: der Aufbau der Story verspricht cleverer zu sein, als der Film es in seiner Auflösung (und auch schon in Teilen seines Verlaufs) einlösen kann. Zudem enthält er mindestens einen größeren logischen Fehler, der das wendungsreiche Spiel um Finten und falsche Fährten in seiner Pointiertheit und Intelligenz nachträglich ein Stück weit schmälert.

Auch ist mir die Inszenierung insgesamt ein wenig zu unspektakulär bzw. unentschieden: Wenn es tatsächlich das einzige Ziel des Films ist, uns ob der Identität Zimmers vor Neugier brennen zu lassen, läßt er uns einfach nicht genug raten. Das heißt: es treten zu wenige Figuren auf, ihre Konstellationen ändern sich nicht überraschend genug. Geht es "Anthony Zimmer" hingegen genauso sehr darum, uns durch Action und Dramatik zu unterhalten, bietet er auch hier zu wenig - und weist durchaus einige Längen auf. Diese werden zwar durch seine Schauwerte teilweise wettgemacht, aber im Ganzen reichen tollen Aufnahme von Nizza und eine sichtlich gealterte Sophie Marceau nicht aus, um derartige Schwächen zu überdecken.

Neben der guten Kameraarbeit gehören die guten Darsteller aber fraglos zu den Qualitäten des Films. Die Figuren sind optimal besetzt und erreichen eine gewisse Tiefe, wenn sie auch einen Tick zu schablonenhaft gezeichnet sind (worüber sich der Film in einigen Dialogen aber auf recht kluge Weise sogar selbst lustig macht).

Insgesamt ist "Anthony Zimmer" recht unterhaltsam, ich hatte mir aber nach der in hohem Tempo vorgetragenen Exposition und angesichts der beträchtlichen Produktionswerte doch einen spitzeren Thriller erwartet. Von mir darum nur 6 Punkte, aber Genrefans bewerten den Film vermutlich ein wenig positiver als ich.
Dominic Saxl
sah diesen Film im Metropolis, Frankfurt
OOOOOO....
18.08.2005, 21:21
 

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