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The Descent (2005)

Aliens im Erdball

Ohne Zweifel zählt The Descent zu den Höhepunkten des FFF2005 und selten war das Publikum sich dabei so einig. Wodurch diese breit gefächerte Euphorie zu begründen ist, lässt sich relativ einfach erläutern.
Neil Marshall präsentiert nach Dog Soldiers ein handwerklich fantastisch umgesetztes Genrekino, in einer klaustrophobisch bedrohlichen Behausung und mit seinen noch bedrohlicheren Bewohnern. Garniert mit kompromisslosen Metzeleinlagen und einer alles andere als zimperlichen Weiberbande, die sich den ultimativen Kick beim Caveclimbing holt und dabei so versessen ist, sich in Gefahr zu bringen, dass es unausweichlich zu einer Katastrophe kommen muss. Was die Mädels hier auf sich nehmen, ist wirklich nur noch einem Suizidkommando gleich zu setzen und man möchte am liebsten in die Leinwand hüpfen und den Ladies klar machen, dass sie das alles selbst zu verantworten haben und die Zuschauer gefälligst aus dem Geschehen raushalten sollen. Mehr als hüten werde ich mich jedoch, die Leinwand auch nur zu streicheln, viel mehr klammere ich mich an meinen Kinositz und versuche, nicht noch tiefer hinein zu sacken.
Nie zuvor hat ein Film Tiefe und Enge so intensiv vermittelt. Die wahrscheinlich noch vorhandene Außenwelt um einen herum blendet die Wahrnehmung irgendwann komplett aus, Kino und Grotte schweißen sich zusammen, und, jeder der auch nur ansatzweise klaustrophobisch veranlagt ist, muss sich relativ früh die Frage stellen, wie viel Enge er bereit ist zu ertragen. Man spürt förmlich, wie Regisseur Neil Marshall in der ersten Hälfte des Filmes diese Grenze bis zum Äußersten auslotet. Noch bedrückender kann eine Höhlenerkundung auf der Leinwand nicht umgesetzt werden.
Bis zu diesem Punkt, also ca. zur Hälfte des Filmes, zählt er zum Besten, was dieses Genre zu bieten hat. Sobald kurz darauf das Grauen in den Tiefen langsam in Sichtweite kommt, beginnt eine neue Episode von The Descent. Die Enge weicht größeren Räumen und die gebändigte Ruhe vor dem Sturm bricht endgültig in Chaos und einer zünftigen Splatterorgie aus. Hier entfließt dem Film leider ein Großteil seiner bedrückenden Atmosphäre und verliert sich später in bekannte Monstermetzel-Orgien, die leider auch hin und wieder etwas albern wirken, sobald die Mädels sich mit einer sonderbaren Art "Kung-Fu" an den Monstern abreagieren. Dies führt leider auch dazu, dass die Gollum-Bestien sehr schnell ihre bedrohliche Aura einbüßen und das Ganze etwas in Hollywood-typische Machart abgleitet. Auch die Schockeffekte werden häufig sehr effektiv, aber leider auch sehr voraussehbar eingesetzt, was dem Film einiges an Originalität raubt.
Nichtsdestotrotz weiß aber auch dieser Teil zu gefallen. Eine Giger-Kreation wäre sicherlich noch die Krone auf dem Haupt des Meisterregisseurs gewesen, aber auch die bleichen, zum Teil sogar Menschen ähnlichen Biester wissen zu gruseln, ganz besonders, wenn sie plötzlich im fahlen Lichte der Videokamera auftauchen.
Insgesamt gibt es also für die "Kung-Fu"-Einlagen und die sehr voraussehbaren Schockeffekte einen halben Punkt Abzug, was aber letztlich immer noch zu einem der genialsten, bedrückendsten und schlichtweg besten Horror-Filme aller Zeiten reichen dürfte.
Horowitz
sah diesen Film im Metropolis, Frankfurt
OOOOOOOOOo
18.08.2005, 22:25
 

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