crazy

The Devil’s Rejects

Wo ist die Moral?

von Jochen
THE DEVIL’S REJECTS ist schwer zu bewerten. Einerseits merkt man diesem Film an, dass der Regisseur ein durchdachtes und glasklares ästhetisches Konzept hat, das er stilsicher zu inszenieren weiß. Andererseits lässt die Abwesenheit eines jeglichen moralisch positiven Zentrums in der recht spannungs- und überraschungsarmen Handlung den Vorwurf der Gewaltverherrlichung alles andere als unbegründet erscheinen. Wie geht man mit einem solchen Film um? Macht man’s sich einfach und sagt: "Fuck-shit-fuck-shit, war schön hart und sicherlich nicht ernst gemeint"? Oder reagiert man abgestoßen und angeekelt, weil der Film eine einzige Anhäufung an Folter, Mord und Ballerei ist, die meisterhaft glorifizierend in Szene gesetzt wird?

Eines muss man Rob Zombie jedenfalls lassen: Er hat den Film gemacht, den er machen wollte und dabei ebenso wenig Rücksicht auf die Zensur wie auf die Fans von HOUSE OF 1000 CORPSES genommen. Sollten die Schlachtereien in Zeitlupe zur Musik der Hippies ein bitterböser Kommentar auf die Vergeblichkeit von Friedensbewegungen sein? Und sollte der Gegensatz zwischen den Devil’s Rejects und dem Devils Slayer eine Parallele zur derzeitigen US-Politik sein, in der sich jemand selbst zur einzig wirksamen Waffe gegen das moralisch Verwerfliche erklärt und dafür selbst unmoralisch werden und die Mächte der "Unholies" heraufbeschwören muss? Oder ist das völlig überinterpretiert? Wenn ja, dann ist der Film definitiv gewaltverherrlichend, denn die oberflächliche Handlung suggeriert nur eines: Man kann Spaß am Quälen anderer Menschen haben - egal, ob Schurke oder Sheriff, hier kriegt jeder einen Kick aus dem Martyrium des anderen. Eine Autofahrerin, die anhält, weil ein Verletzter auf der Straße liegt, wird genauso hinterrücks abgeschlachtet wie eine unschuldige Hure, die zufällig neben dem Eingang steht, durch welche die "guten" Unholies kommen, um die "bösen" Devil’s Rejects dingfest zu machen.

Sicherlich ist THE DEVIL’S REJECTS vom Splattergehalt relativ harmlos. Er wirkt auf mich auch vor allem verstörend wegen der Abwesenheit des "Guten", das höchstens in Gestalt der Opfer auftaucht. Das ist übrigens ein Grund für die überwiegende Spannungsarmut. So habe ich während des Films bemerkt, dass es mir im Prinzip egal war, welches Opfer als nächstes sadistisch zu Tode gefoltert wird, solange es kein unschuldiges war.

Ich bin dem Fantasy Filmfest dankbar, dass es THE DEVIL’S REJECTS auf deutsche Leinwände gebracht hat. Nicht nur hat es diesem wirklich schwachen Jahrgang einen Film geschenkt, über den man diskutieren und streiten kann, es wird zudem für die nächste Zeit auch die letzte Gelegenheit gewesen sein, den Film im Kino zu genießen, da die FSK ihn meines Erachtens verbieten wird. Eine Entscheidung, die ich nachvollziehen könnte, wenn ich sie auch nicht unbedingt gutheißen würde.

Aufgrund meines gespaltenen Verhältnisses zum Film gebe ich 5 von 10 Punkten.
Jochen
sah diesen Film im Cinemaxx, Berlin

22.08.2005, 21:11



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