American Mary

Sick, schön, speziell.

von D.S.
Die "Twisted Twins" Jen und Sylvia Soska wirken super sympathisch und haben definitiv einen Riecher für ungewöhnliche Stoffe. Was sie allerdings nicht haben, ist ein Übermaß an schauspielerischem Talent. Einer der Gründe, weshalb ihr Debüt - der Grindhouse-Versuch DEAD HOOKER IN A TRUNK - über weite Strecken so schwer erträglich ist: Da übernahmen sie nämlich neben Buch und Regie auch noch die Hauptrollen. Ein weiterer Grund ist die, nun ja, Bildsprache, der man an allen Ecken und Enden das nicht vorhandene Budget anmerkt und die viele reine Amateurproduktionen im Vergleich fast wie Hollywood-Glamourwerke scheinen lässt.

Beste Voraussetzungen, dass AMERICAN MARY mehr Spaß macht: Denn hier treten die Regisseurinnen nur in einem kurzen Cameo selbst vor die Kamera, und vor allem war hier der nötige Finanzrahmen eindeutig gegeben, was vermutlich zu guten Teilen der Vermittlung und Förderung durch Soska-Fan Eli Roth geschuldet ist.

Wie auch immer, in Sachen Stil wird hier nun Vollgas gegeben, genau wie in Sachen abgetrennte oder sonst wie „verschönerte" Körperteile: Every Horrorfan’s Darling Katharine Isabelle spielt Chirurgin in spe Mary Mason, die sich wegen akuter Geldprobleme und noch akuterer Enttäuschung über die Kaltblütigkeit des akademischen Betriebs zunächst eher unfrei- bis widerwillig, dann jedoch immer enthusiastischer einem extremen Sub-Genre des Operateurwesens zuwendet: der Body Modification. Sei es Zungenspaltung, Genital-Manipulation oder eben freiwillige Amputation: Mary ist bald für alles zu haben. Aber die bösen Seelen-Trümmer der Vergangenheit lassen sie nie ganz los...

AMERICAN MARY fühlt sich zwischendurch zwar auch mal leicht zäh an, da der Geschichte kurzzeitig ihr roter Faden und eine sauber anziehende Dramaturgie etwas abhanden kommen. Und ob der Klimax so optimal gewählt und gestaltet wurde, ist auch Geschmackssache.

Dennoch fasziniert und beeindruckt der Film größtenteils (zumindest, wenn man einen einigermaßen starken Magen und Interesse am Abseitigeren hat). Das ist einerseits der atmosphärischen Inszenierung und dem düsteren, stimmigen Look geschuldet, die einen glatt hypnotischen Sog auf den Betrachter ausüben. Andererseits und vor allen Dingen aber Katharine Isabelle, die wirklich großartig spielt: So intensiv und überzeugend, dass man sie endlich nicht mehr nur als die „ewige Ginger" im Kopf behalten wird.

Stellenweise durchaus krasser Stoff zwischen Splatter, schwarzem Humor und Drama, der mit heftigen Bildern genauso überzeugt wie mit stimmiger Atmosphäre. Für mich ein klares Must-see!
D.S.

08.03.2013, 15:55



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