V/H/S

Found Footage Fastfood

von Janina Himmen
Es folgt eine subjektive Wertung von einer, die die Wackelkamera nicht gut vertragen hat. Das schränkt das Filmerlebnis natürlich ein. Wem solche Probleme fremd sind, der könnte mehr Spaß mit V/H/S haben.

Mein erster Versuch, mir diesen Episodenfilm anzusehen, ging gewaltig nach hinten los. Er lief beim Fantasy Filmfest, aber schon nach wenigen Minuten wurde mir von dem verschwommenen Gewackel auf der Leinwand so schlecht, dass ich nicht mehr hinsehen konnte. Ich hörte noch eine Weile zu, beschloss dann aber, dass das wenig Sinn macht. Also raus aus dem Kino, frische Luft schnappen und auf den nächsten Film warten.

Fast ein Jahr später habe ich es nun mit der DVD probiert. Motion Sickness tritt bei mir weniger schlimm auf, je kleiner der Bildschirm ist - und tatsächlich, ich musste nur am Anfang und während der ersten Episode einige Male wegsehen, wenn das Gewackel zu schlimm wurde. Danach ging es.

V/H/S reiht 5 gruselige Found-Footage-Kurzfilme in eine Rahmenhandlung ein, in der ein mysteriöses Videoband aus einem Haus entwendet werden soll. Nicht alle Episoden wurden tatsächlich auf solche altmodische Weise aufgenommen, hier bekommen wir von der Brillenkamera bis zur Webcam alles geboten. Das wirkt authentisch, allerdings sollte man keine allzu großen Erwartungen an den Tiefgang haben. Die Charaktere müssen schnell vorgestellt werden und dann beginnt auch schon der Horror. V/H/S ist so etwas wie Found-Footage-Fastfood, was nicht einmal negativ gemeint ist. Für sich genommen bieten die einzelnen Episoden zu wenig Substanz, um daraus einen abendfüllenden Film zu machen, aber in dieser Kombination machen sie durchaus Spaß. Jede hat ihr kleines Highlight zu bieten. Ich glaube, am besten haben mir die letzten beiden gefallen, aber Episode 1 hat durch die Hauptdarstellerin und Episode 3 durch die Bild- und Toneffekte überzeugt. Episode 2 fand ich persönlich etwas schwach, trotz der gelungenen Szene in der ersten Nacht.

Also alles in allem ein Film, mit dem man als Horrorfreund im dunklen Zimmer durchaus Spaß haben könnte. Allerdings reiht er nicht Schockmoment an Schockmoment, sondern es gibt viele ruhige Stellen, weil ja jede neue Episode wieder bei Null anfängt. Positiv anrechnen muss ich ihm, dass er erfreulich wenig mit den für solche Filme (Parnormal Acitivity...) üblichen Jump Scares arbeitet. Ich meine vor allem den "Leise.... LAUT!!" Trick.

Aber dieses verdammte Gewackel!
Ich habe schon viel gesehen, das mit Handkamera gefilmt wurde, aber die Rahmenhandlung und die erste Episode von V/H/S sind das übelste, was mir je untergekommen ist. Da macht dann das Zusehen einfach keinen Spaß mehr, sorry. Ich habe in manchen positiven Reviews gelesen, dass ein Horrorfilm einen körperlich mitleiden lassen muss - was ein Blödsinn! Ein guter Horrorfilm soll mich emotional mitleiden lassen, durch seine Aussage und das, was er mir zeigt. Aber es ist doch keine Kunst, herum zu wackeln, als sei der Kameramann aus Gummi! Ein bisschen davon trägt zur Atmosphäre bei, zu viel davon ist einfach nur nervig und in meinen Augen unnötig.

V/H/S ist zwar optisch ein interessantes Experiment, aber ein guter Horrorfilm ist er nur dann, wenn er einem etwas zeigt, was einen schockiert. Das Mädel in der ersten Episode zum Beispiel, wenn plötzlich eine Gestalt im Hintergrund auftaucht oder die gesamte letzte Episode. Das waren ordentliche Momente. Begeistert war ich aber insgesamt leider nicht.
Janina Himmen
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt - Original-Review

05.07.2013, 14:20



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