The House of the Devil

Grusliger Retrospaß

von FFFler
Der folgende Review enthält SPOILER!
Vor einigen Jahren auf dem Fantasy Filmfest liefen in einem Slot zwei Filme des damals noch völlig unbekannten Regisseurs Ti West gegeneinander, nämlich dieser hier und Cabin Fever 2. Da ich mich nicht für einen entscheiden konnte, habe ich wie so oft den Rat der Festivalleiter in Anspruch genommen, die mich auf die Fortsetzung verwiesen haben. Dieser war zwar in meinen Augen durchaus ganz nett (und vor allen Dingen blutig) anzusehen, jedoch hat sich in den folgenden Jahren unter den Genrefans fast schon ein kleiner Hype bzgl. des anderen nicht gesehenen Filmes entwickelt. So war ich guter Dinge, einen tollen Horror-, oder sagen wir besser Gruselfilm geboten zu bekommen. Doch leider macht der Film so einiges falsch in meinen Augen, aber beginnen wir mit dem Positiven: Der Look ist absolut großartig! The House of the Devil ist eine wunderbare Hommage an das alte Horrorkino, sieht 1:1 wie seine Vorbilder aus und bietet eine Atmosphäre, wie man sie im Horrorkino heutzutage vergeblich sucht. Hier stimmt jede Kameraeinstellung, jedes Detail der Ausstattung, der Soundtrack ... im Grunde hatte mich der Film schon bei seinen wunderbaren Retrocredits. Würde man nicht die von mir sehr gern gesehenen Greta Gerwig und Tom Noonan in diesem Film sehen: Ich wäre wohl auf die Illusion reingefallen und hätte gedacht, dass der Film in den späten 70ern/frühen 80ern entstanden ist. Sehr schön auch, wie sich der Film unglaublich viel Zeit lässt. Er zeigt eine junge Babysitterin, die alleine in einem eigentlich recht normal wirkenden Anwesen ihrer Tätigkeit nachgeht. Und gerade dabei lässt sich der Film dermaßen viel Zeit, dass geschätzte 50-60 Minuten nichts anderes passiert. Aber gerade die Tatsache, dass West hier mit falschen Erwartungen des Zuschauers spielt, ist in meinen Augen wunderbar. Doch jetzt kommt leider das ganz große ABER, denn ich hatte doch so meine Probleme mit dem Film bzw. ärgere mich über nicht genutztes Potential. Dies beginnt schon beim Vorspann, in dem über satanische Vorgänge berichtet wird, der dazu die Geschehnisse des Filmes als wahr abtut und endet in der Tatsache, dass der Film The House of the Devil heißt. Warum bitte muss der Film gleich schon zu Beginn spoilern? Ich bin mir 100%ig sicher, dass der Film bei mir eine viel größere Gruselwirkung erzielt hätte, wenn ich von diesen Dingen im Vorfeld noch nichts gewusst hätte. Eventuell könnte man das Folgende als kleinen Spoiler werten, daher jetzt noch die Warnung, dass man nicht unbedingt weiterlesen sollte, falls man den Film noch nicht kennt und ihn gerne sehen möchte: Ich hätte es letztendlich am Ende fast als noch größeren Clou gefunden, wenn sich der Film als großes Nichts entpuppt hätte und keinen Showdown oder ähnliches aufweisen würde. Durch die letzte Szene mit Gerwig werden letzte Zweifel schon früh ausgeräumt und es ist klar, auf was das Ganze hinauslaufen wird. Dabei könnte man eigentlich den Zuschauer wunderbar an der Nase herumführen, indem man den Film so auflösen würde, dass das Ehepaar einfach nach Hause kommt, die Babysitterin nach Hause fährt und es im Grunde nie eine Bedrohung gegeben hatte. Sicherlich hätten sich da einige Zuschauer auf den Schlips getreten gefühlt, aber ich fände, dass dies wunderbar zu diesem Film gepasst hätte. Teilt da noch jemand meine Meinung? Letzten Endes ist The House of the Devil aber alleine schon aufgrund der Inszenierung mehr als nur einen Blick wert... nicht unbedingt für das Mainstreampublikum, aber Genrefans werden hier sicherlich Gefallen daran finden. Dennoch überwiegen die kleinen Ärgernisse bei mir, die einen besseren Gesamteindruck letzten Endes verwehren ...
FFFler

09.07.2013, 11:14



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