Raze

Exploitation? Nah dran, aber nicht ganz.

von ArthurA
"Exploitation pur" verspricht das Programmheft zu Raze. In gewisser Hinsicht trifft das voll und ganz zu. Gleichzeitig aber auch nicht. Das Szenario orientiert sich komplett an den Frauenknastfilmchen, wie diese in den Siebzigern und Achtzigern populär waren - junge, hübsche (und kämpferisch begabte) Frauen werden von einer geheimen Organisation entführt und gezwungen, mit bloßen Händen im Zweikampf gegeneinander zu kämpfen. Der "Anreiz": weigert sich eine Frau zu kämpfen, wird eine ihr nahe stehende Person getötet. Verliert sie, wird diese Person ebenfals getötet. Nur eine kann am Ende übrig bleiben. Unsere Protagonistin ist Sabrina, gespielt von Zoe Bell, der Stuntfrau, der Quentin Tarantino mit Kill Bill und Death Proof zu B-Movie-Ruhm verhalf. Frauen und Gewalt, viel Gewalt (die FSK wird Kopfschmerzen haben bei dem Film). Doch die schmierig-sexuelle Komponente der frühen Exploitation-Filme fehlt in Raze vollkommen. Um es auf den Punkt zu bringen: hier geht es wirklich (fast) nur um Frauen, die sich gegenseitig die Köpfe einschlagen und eintreten. Ich schätze, dafür existiert der Begriff "Neo-Exploitation".

Zwar versucht der Film auch eine Message von Emanzipation und Frauen-Power an den Zuschauer zu bringen, doch diese geht schnell in dem Strudel aus unmenschlicher Gewalt unter. Oh ja, der Film wird viele provozieren und einige werden ihn schnell als frauenverachtend und gewaltverherrlichend abstempeln, wobei hier von Verherrlichung meiner Meinung nach nicht die Rede sein kann. Ich denke jedoch, dass bei Raze erst gar nicht so viel nachgedacht wurde, wie ihm vorgeworfen wird. Der Gedanke ist immer nur beim Konzept geblieben, Frau gegen Frau kämpfen zu lassen. Dem Zuschauer werden Sympathieträger geboten (wobei die von Bell sehr intensiv gespielte Sabrina nicht zwingend dazu gehört) und natürlich auch eine fiese Psychopathin, der das Ganze einfach nur verdammt viel Spaß macht. In dieser Rolle stiehlt Rebecca Marshall allen anderen die Show. In einem überraschenden Kurzauftritt ist auch Rosario Dawson (!) zu sehen, die mit Bell bereits in Death Proof mitgespielt hat. Auch Rachel Nichols lässt sich in einer Rolle blicken, die vermuten lässt, sie sei die Protagonistin des Films, bis die Karten umgedreht werden. Besondere Erwähnung gilt Doug Jones, der als Organisator der "Spiele" widerwärtiger kaum sein könnte.
ArthurA
sah diesen Film im Cinedom 9, Köln - Original-Review

08.09.2013, 03:15



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