von Fans für Fans

Dark Tourist

Opfer und Täter und wie man dazu wird

von D.S.
Unter seiner Oberfläche beschäftigt sich GRIEF bzw. DARK TOURIST mit einem sehr finsteren Thema, nämlich der Frage, was Menschen zu Serienmördern werden lässt. Und er findet einige noch viel finsterere Antworten auf diese Frage, die einem lange zu denken geben.

Die Inhaltsangabe klingt ja schlicht recht skurril; doch bald stellt sich heraus, dass hinter dem Drang der Hauptfigur Jim, berüchtigte Mordschauplätze zu besuchen, weit mehr steckt als bloß ein ausgeprägter Hang zu makabrem Voyeurismus und Sensationsgeilheit. Nur allzu viele Menschen wollen die Leichen frischer Unfallopfer am liebsten noch zucken sehen - Jim wird von anderem angezogen. Schmerzhafterem. Und so weicht diese scheinbare Skurrilität des Set-ups mehr und mehr einem Gefühl von tiefstem Nihilismus, das sich durch die Handlung zieht und in einem konsequenten Finale mündet. Die Atmosphäre ist entsprechend: bedrückend, düster, freudlos. Auf dem Ferientrip von Jim durch Kalifornien werden wir in einen Strudel der Negativität hineingezogen, aus dem es kein Entkommen gibt - und der uns nicht nur zu Zeugen (weniger) extremer Gewaltausbrüche macht, sondern uns auch zeigt, dass nichts so sehr verletzen kann wie eine Beleidigung im richtigen Moment.

Man braucht allerdings Geduld, um in der düsteren Welt des TOURISTs wirklich anzukommen. Geduld, die unter Umständen bis über den Film hinausreichen muss: Beim Sehen und unmittelbar danach fühlte ich mich zum Teil arg gelangweilt, denn das Geschehen zieht sich hier schon enorm. Es dauert bis ins letzte Filmdrittel, bis tatsächlich „Greifbares" passiert. Der Strudel zieht einen jedoch auch im Nachhinein immer tiefer - die Nachwirkung des Films ist nicht zu unterschätzen. Die Endsequenzen und seine Aussagen sind derart bitter, dass man erst mit einigem Abstand realisiert, was man da eigentlich gerade serviert bekommen hat.

DARK TOURIST ist mit Sicherheit einer der ernsthaftesten, forderndsten Filme des FFF 2013. Sehr langsam im Tempo, sehr dialoglastig und inhaltlich sehr deprimierend, hat er neben einem hervorragenden Hauptdarsteller (und einer nicht minder überzeugenden Melanie Griffith) vor allem eine radikale Sichtweise auf die Welt und ihre Bewohner sowie einen konsequent finsterer werdenden Tonfall zu bieten, der ihn auch ohne Gore-Exzesse zu einem ziemlich brutalen Erlebnis werden lässt. Unter Vorbehalt deshalb durchaus zu empfehlen.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 9, Frankfurt

08.09.2013, 05:50



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