crazy

Get Shorty

Kurz und gut böse

von D.S.
Die Shorties haben mich dieses Jahr mal wieder ausnehmend gut unterhalten, und ich kann eigentlich keinen einzigen echten Ausfall ausmachen - da hab ich schon ganz andere Jahrgänge erlebt. Ja, es stimmt, das Horrorgenre kommt diesmal etwas kurz: DEATH OF A SHADOW ist zumindest ein atmosphärischer Mystery-Streifen und TUMULT hat ordentlich Blutvergießen zu bieten, FOOL’S DAY auf NOCH humoristischere Weise allerdings auch; der Rest der Beiträge ist da zahmer, eher fantastischer, aber das passt ja grundsätzlich erst mal auch. Zahmheit bezieht sich dabei aber ausschließlich auf den Aspekt Guts’n’Gore, denn davon abgesehen, kennt der Irrsinn hier kaum Grenzen, ebenso wenig wie der Spaß. Aber der Reihe nach:

DEATH OF A SHADOW
Filmisch absolut begeisterndes, düster-romantisches Stück über die ewige, echte Liebe und das, was man bereit ist, für sie zu tun. Ganz großes Kino, dass durch seine Bilder und seinen Soundtrack mehr besticht als durch seine Story, die aber auch eine äußerst originelle Grundidee aufweist. Gehobene Mystery-Klasse. 7 Punkte.

TUMULT
Was als tougher, rougher Wikinger-Film beginnt, wird bald zu einer derben, splatterigen Komödie über das Aufeinandertreffen zweier völlig verschiedener Kulturen. Das Ende verläuft leider ziemlich belanglos im Sande der schottischen Highlands, dafür hat man aber mindestens ein paar Mal herzhaft gelacht. 6 Punkte.

FEAR OF FLYING
Nein, hier geht es nicht um den Sexroman von Erica Jong, sondern um einen herzerwärmend süßen kleinen Vogel, der Angst vorm Anwenden seiner Flügel hat und deshalb nicht mit dem Rest des Schwarms (und seiner Angebeteten) im Herbst Richtung „sunny south" fliegt - sondern sein Häuschen vor hungrigen Eichhörnchen verteidigen muss. Wirklich knuffige Mischung aus Puppen-Stopp-Trick und Animation; das Ende sitzt nur nicht so ganz. Muss man trotzdem liebhaben. 7 Punkte.

MALARIA
Technisch unheimlich beeindruckender Animationsfilm, der aus lauter einzelnen Comic-Panels und weiteren Print-Elementen besteht, die von einer menschlichen Hand in Szene gesetzt, bewegt und bearbeitet werden. Stilistisch ein Western, inhaltlich nett schräg, aber nicht gerade wahnsinnig originell - anders als eben auf technischer Ebene: So etwas habe ich in dieser Form noch nicht gesehen. 6,5 Punkte.

THE MAN WHO COULD NOT DREAM
...erinnert filmisch und vor allem in seiner Erzählweise extrem an eine Low-Budget-Variante von AMELIE, die allerdings erheblich zynischer, desillusionierender daherkommt. Ein Junge verlernt das Träumen und darüber dann auch, ein glückliches Leben zu führen. Bis der Tag kommt, an dem er sich holen will, was er versäumt hat... Sympathisch düster märchenhaft, vielleicht einen Tick zu lang. Aber ich hab eine Schwäche für den AMELIE-Stil, darum: 6,5 Punkte.

BAD PENNY
Vollkommen seltsame rumänische Groteske um zwei Gangster, die nachts im Park einen harmlos scheinenden Typen ausrauben wollen. Dieser entpuppt sich allerdings als eine mehr als kauzige Mischung aus Clown und Magier - wie geht man damit um? Durchaus amüsant und irritierend, allerdings auch etwas ziellos und mit unbefriedigendem Ende; der wohl schwächste Beitrag 2013: 5 Punkte.

PERFECT DRUG
Nicht nur seiner Besetzung und der zahlreichen Tentakel wegen kommt dieser belgische (?!) Beitrag eher wie ein lupenreiner Japaner rüber: Der drogeninduzierte Irrsinn, der hier ohne Rücksicht auf Verluste konsequent durchknallt, sprengt fast jede Meßlatte und hätte sich auch bspw. in ABCs OF DEATH gut gemacht. Bonusfeature: Der vielleicht dickste Mann der Welt und eine echt sicke Body-Suit. Ich hab zwar keine Ahnung, worum es hier am Ende eigentlich ging, das tut der Party aber kaum einen Abbruch! 6,5 Punkte.

FOOL’S DAY
Das ABSOLUTE Highlight, das den gesamten Saal von einer Lachattacke zur nächsten trieb: Eine Klasse idealtypisch überzeichneter lieb-frecher Kids will ihrer Lehrerein einen Aprilscherz spielen und sorgt dabei versehentlich für sprichwörtliche Gore-Explosionen. Jetzt aber schnell saubermachen, bevor der fieseste Cop der Stadt zur nächsten Unterrichtsstunde eintrifft... Zum Schreien komische Situationen, welche die heillos überforderten Kinder zwischen blanker Panik und handfesten Lösungsversuchen hin und her hetzen lassen, viel Blut und jede Menge immer wieder mal eingestreute, bös sarkastische Spitzen gegen die Organe von Staat und Gesellschaft: Was zunächst soooo unschuldig wirkt, ist herrlich gemein und atemlos lustig. 8 Punkte, muss man gesehen haben!

Das perfekte Ende für einen mehr als guten GET SHORTY Jahrgang, der von mir insgesamt 7 Punkte bekommt.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

09.09.2013, 03:30



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