Cottage Country

Wie das Äxtchen im Walde

von D.S.
Eigentlich könnte ich hier fast dasselbe wie in meinem Review zu 100 BLOODY ACRES schreiben: eine splattrige Komödie mit zu wenig Splatter und zu wenig Lachern. Allerdings hat COTTAGE COUNTRY noch etwas weniger Splatter zu bieten als ersterer, dafür jedoch mehr, besser ausgearbeiteten und vor allem auch besser gespielten Humor. Im Direktvergleich gewinnt er darum klar - richtig überzeugend ist das Ganze aber leider trotzdem nicht.

Das liegt nicht an den Schauspielern, die machen ihre Sache recht gut, allen voran Obersympath Tyler Labine. Nein, das Drehbuch ist nicht das Gelbe vom Ei - nicht bissig und konsequent, schon gar nicht überdreht genug: Über die meiste Zeit bleibt das Geschehen einfach zu zahm; es wird storyseitig statt der großen Klinge nur das kleine Äxtchen ausgepackt und man hat das Gefühl, dass Handlung und Darsteller mit angezogener Handbremse unterwegs sind. An einigen Stellen wiederum verzichtet das Drehbuch auf einigermaßen nachvollziehbare Begründungen für das Verhalten seiner Figuren; so manche ihrer Entscheidungen wirken unglaubwürdig, etwa wenn sie innerhalb einer einzigen Sequenz ihre Einstellung zu grundlegenden Fragen fundamental ändern, und das ohne herausragenden Anlass.

Zudem wird der größte Trumpf hier viel zu früh ausgespielt: Die versehentliche Ermordung des nervigen Bruders unserer Hauptfigur geschieht zu einem Zeitpunkt, als dessen Potential noch lange nicht ausgeschöpft erscheint. Danach passiert dann über lange Zeit kaum Nennenswertes, bis das Geschehen am Ende der zentralen Party-Sequenz endlich wieder ein wenig Fahrt aufnimmt. Wobei hier das Wörtchen „wenig" wichtig ist.

Die Story als solche ist nun ohnehin nicht sonderlich originell - Protagonisten wollen einen Unfall mit tödlichem Ausgang vertuschen und reiten sich dabei tiefer und tiefer ins Chaos, was schwere Folgen nach sich zieht. Kennt man schon zur Genüge, kann aber immer noch sehr unterhaltsam sein, wenn man ausreichend wilde Ideen einbaut und seine Figuren clever genug einsetzt. Beides tut COTTAGE COUNTRY leider nur zum Teil und macht darum auch nur bedingt Spaß: Irgendwie verbleibt die Handlung insgesamt deutlich zu „realistisch", zu wenig überbordend, um einem so schrägen Aufhänger gerecht zu werden.

Kann man sich zwar durchaus ansehen, ohne sich über vergeudete Lebenszeit zu ärgern. Es wäre aber deutlich mehr drin gewesen - hätte man sich nur getraut. So gibt’s von mir bloß 6 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

11.09.2013, 04:22



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