von Fans für Fans

Go Goa Gone

Karma is a bitch

von D.S.
Das vielleicht Wichtigste vorab: GO GOA GONE ist auch für Menschen wie mich genießbar, die mit dem ganzen Bollywood-Kram nicht das Geringste anfangen können und selbst den letztjährigen Publikumsliebling MAKKHI ziemlich unerträglich fanden. Hier wird weder verliebt herumgeschnulzt noch gesungen oder getanzt (von einer Rave-Party mal abgesehen), und auch ansonsten fühlt sich der Film erstaunlich „westlich“ an – vielleicht ist also auch die indische Horrorfilmindustrie Opfer der Globalisierung geworden, die hier von unseren (Anti-) Helden als möglicher Grund für die plötzliche Anwesenheit von Zombies im indischen Kulturkreis ausgemacht wird.

Tatsächlich ist SHAUN OF THE DEAD das ganz offensichtliche, einmal sogar direkt zitierte Vorbild dieses Streifens – den er aber, natürlich, nicht ansatzweise erreicht. Wie auch keiner vor ihm. Vielleicht sollten Produzenten und Regisseure weltweit langsam mal begreifen, dass nur Simon Pegg und Nick Frost Simon Pegg und Nick Frost sind. Aber das nur nebenbei; im Rahmen seiner Möglichkeiten liefert GOA eine gute Leistung ab und ist in der Kategorie der Nacheiferer klar im gehobenen Mittelfeld einzuordnen. Irgendwie erfrischend naiv und entspannt daherkommend, zunächst auch deutlich abwechslungsreicher als etwa ein JUAN OF THE DEAD, dafür aber bei weitem nicht so blutig und over the top. Sowie ohnehin eine deutliche Spur zu harmlos angelegt: Die Gore-Szenen sind rar und vom Härtegrad her nicht der Rede wert; das Zombie-Make-up ist armselig und besteht in den allermeisten Fällen nur aus etwas roter Farbe in einem weiß gepuderten Gesicht; das spritzende Blut erweist sich nur allzu oft als unterdurchschnittlicher CGI-Effekt.

Sympathisch hingegen, dass unsere Protagonisten samt und sonders als eher minderbemittelte, verplante, alles andere als glorreiche Figuren dargestellt werden. Die drei sind Loser und „scoren“ trotz ihrer verzweifelten Flirtbemühungen auch genau so wenig – im Gegensatz zu dem, was „Zwerg-im-Bikini“ in ihrem Review schreibt, wirkte GOA auf mich gerade NICHT sexistisch. Die weibliche Hauptfigur hier lässt unsere schleimigen „Helden“ bei ihren Anbaggerversuchen bis zuletzt konsequent abblitzen, zeigt ihnen klar, wo’s langgeht, und die Typen sehen dabei weiß Gott nicht gut aus. Für mein Empfinden und meine (filmische) Erfahrung mit der indischen Macho-Kultur ist diese Darstellung als plumpe Verlierer schon fast gewagt „männerfeindlich“ selbstironisch, hätte ich auch und erst recht nach MAKKHI so nicht erwartet.

Das ändert aber nichts daran, dass GOA sein Gag-Feuerwerk spätestens nach der Hälfte seiner Laufzeit abgebrannt hat, sich wiederholt und dann bald gar nichts wirklich Unterhaltsames mehr zu bieten hat. Ein kurzer Ausflug in dramatische Ernsthaftigkeit tut dem Ganzen erst recht nicht gut – schließlich gibt es keine relevante Story, die erzählt werden könnte und keine Charaktere, die einem wirklich etwas bedeuten. Sprich: Auf eine gute halbe Stunde des Films hätte verzichtet werden können, dann hätte er deutlich mehr Spaß gemacht.

Erweiterte Ansprüche sollte man eh nicht haben, die wahnwitzige Partybombe schlechthin ist GOA sicher auch nicht. Aber netter, harmloser, manchmal an THE BIG BANG THEORY erinnernder Spaß für zwischendurch mit viel Kiffer-Humor, rabiat alberner Anti-Zigaretten-Werbung sowie deutlichem Exoten-Bonus. Dafür gibt es 6,5 Punkte von mir.

PS: Das eindeutig Seltsamste am Film – neben dem Bemühen um Rauchererziehung? Die ungebremst zutage tretende Begeisterung für die russische Mafia, die offenbar in bestimmten Schichten der indischen Gesellschaft vorherrscht. Nastrovje!
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

31.08.2014, 06:59



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