von Fans für Fans

The Treatment

Von Trollen und Frauen-Toxinen

von D.S.
Wüsste ich nicht inzwischen, dass die Romanvorlage von THE TREATMENT aus England stammt und dort spielt, würde ich jetzt wohl so was sagen wie: Eine solche Story kann ja nur aus Belgien kommen. Dem Päderasten-Paradies. Gott, wie fertig muss dieses Land sein. Denn eine derart sicke Story kann man sich ja nicht einfach so ausdenken...

Tja, dem ist nicht so, das Böse ist wohl hinsichtlich seiner Ortspräferenzen deutlich flexibler. Sei's drum, abgrundtief ist es hier allemal. Das fängt schon bei der Vor- und Hintergrundgeschichte unserer Hauptfigur an: Kommissar Nick Cafmeyer, der auch 25 Jahre später nicht wirklich verarbeitet hat, dass sein Bruder beim Cowboy-und-Indianer-Spielen von einem Pädophilen entführt wurde, dem niemals etwas nachgewiesen werden konnte, und bis heute noch verschwunden ist.

Dann wird er zu einem Tatort ganz in der Nähe seiner Wohnung gerufen, und alle Erinnerungen kommen mit voller Wucht wieder hoch: Eine Familie wurde über Tage hinweg von einem Eindringling gefangengenommen, der Täter ist beim Eintreffen der Polizei mit ihrem kleinen Sohn verschwunden. Fieberhaft macht man sich auf die Suche, aber für Nick ist von Anfang an klar, dass es hier einen Bezug zur Entführung seines Bruders gibt, zu groß scheinen die Ähnlichkeiten. Ob er mit dieser Annahme recht hat, rückt jedoch bald auch für ihn in den Hintergrund angesichts der Monstrosität der aktuellen Tat, die sich Schritt für Schritt offenbart und in ihrem vollen Umfang wirklich kaum zu ertragen ist. Dabei werden die Ermittlungen von Nick und seinem engagierten Team immer komplexer – und bleiben zunächst doch fast ergebnislos. Die Hinweise sind widersprüchlich, die Untiefen des Falles schier nicht auszumessen, Spuren zum Täter nicht aufzufinden. Und es scheint, als bliebe er weiter aktiv...

Hier handelt es sich um ganz schwere Kost; und wenn THE TREATMENT aufgrund seiner Inszenierung vordergründig auch an einen stinknormalen TV-Krimi erinnern mag: Eine solche bestialische, derart deprimierend düstere Geschichte kann ich mir im (deutschen) Fernsehen irgendwie nur sehr schwer vorstellen.

Trotz seiner Laufzeit von über zwei Stunden langweilt der Film nicht einen Moment, im Gegenteil: mit fortschreitender Dauer wird man vom Geschehen zunehmend stärker gefesselt, denn es offenbaren sich immer mehr finstere Details, die einen kaum unberührt lassen können. Die Hintergründe und ihre Zusammenhänge sind extrem vielschichtig; die blanke Ermittlungsarbeit wechselt sich immer wieder mit Aufnahmen direkt aus dem Herzen der verschiedenen verstörenden Verbrechen ab; das Ganze entwickelt eine solche Intensität, dass es schon fast ungemütlich wird. Sehr gut gespielt, nüchtern gefilmt, durch das nur schrittweise Zusammenfügen der Story-Puzzleteile effektiv spannungssteigernd aufgebaut.

Einer der emotional härtesten, schmerzhaftesten Krimis seit langem, der einen fast sprachlos zurücklässt. 7,5 von 10 Punkten.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

03.09.2014, 05:57



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