crazy

The Strange Color of Your Body’s Tears

Alex auf der Folterbank

von Alexander
Wenn es so etwas wie das filmische Gegenstück zu dem absolut unlesbaren Roman „Infinite Jest“ des geisteskranken Autors David Foster Wallace geben mag, dann ist das mit Sicherheit „The Strange Color of your body’s tears“.

Im Sekundentakt hämmern sich Geräusche und Bilder stakkatoartig in die schon nach Minuten stark überhitzten Hirnwindungen und bereits nach kurzer Zeit hat man das Gefühl eine Überdosis wahrnehmungsverstärkender Substanzen eingenommen zu haben. Dass angesichts der Tonspur, die man nur als unbarmherzigstes Tonexperiment der Filmgeschichte bezeichnen kann, Menschen in der Lage waren, während der Vorstellung einzuschlafen, bleibt für mich unvorstellbar.
Der Film läßt einem nicht die geringste Pause, die Flut an audiovisuellen Informationen zu verarbeiten, und mit fortschreitender „Handlung“ erhöht sich die Frequenz der Schnitte und der Wiederholungen von maximal vergrößerten Bildausschnitten und maximal verstärkter Geräusche auf ein nahezu unerträgliches Maß. Dies alles ginge ja noch gerade so in Ordnung, hätte der Film dazu nicht etwas vollkommen unverzeihliches mit mir angestellt: Mich zu langweilen. Angesichts des herausragenden Talents des Regisseurs und den offensichtlich vorhandenen Visionen dieses Filmgenies ist es umso bedauerlicher, daß in der selbstverliebten Orgie aus opulenten Bilderräuschen und Tönen die Handlung auf der Strecke blieb und sich die ineinander verschachtelten wirren Szenen in der zweiten Filmhälfte nur noch zu wiederholen scheinen.

Durch die progressive Art und Weise, wie hier Film gemacht wird, ist es zudem vollkommen unmöglich, so etwas wie Empathie für die Figuren zu entwickeln oder etwas wie Angst oder Spannung zu empfinden. Man berauscht sich zu Anfangs noch am innovativen Konzept eines sein Handwerk sicherlich zur Perfektion beherrschenden Filmkünstlers, bis durch die ständigen Wiederholungen irgendwann das Interesse an einem Ausgang der „Geschichte“ gegen Null tendiert.

Etwas ab der Mitte des Kunstwerks war ich nur noch von dem Wunsch erfüllt, mich der Folter aus zum Höchstmaß verstärkter Audioexperimente und Lichtblitzen zu entziehen. Mag sein, dass ich in diesem Film endlich meinen Meister gefunden habe, und mein Körper und Geist mit dem Gebotenem drastisch überfordert waren. „The Strange Color“ wird mir aber auf ewig im Gedächtnis bleiben, und zwar als erster Film der es schaffte, mir physische Schmerzen zuzufügen. Stellenweise kam ich mir vor wie der kleine Alex aus Kubriks „Uhrwerk Orange“, der mit weit aufgerissenen Pupillen und mit dem Brechreiz kämpfend, gezwungen wird, sich stundenlange grausige Visionen anzusehen.

Die Fraktion der mit Ahnung gesegneten Cineasten möge mich jetzt bitte nicht falsch verstehen : Auch ich gehe auf das Filmfest auf der Suche nach dem Besonderen. Nur leider wurde mit diesem Beitrag für mich eine Grenze überschritten, jenseits derer ein Film kein Genuss mehr ist, sondern ein Zuschauerexperiment.

So fasziniert ich seinerzeit von Amer gewesen bin, so abgeturnt war ich leider von „The Strange Color“.

Da es unfair wäre, dem Film die Note zu geben, die ich gerne geben würde, insbesondere im Vergleich zu den entsetzlichen Gurken, die ich bereits benoten musste, enthalte ich mich diesesmal einer Bewertung.
Alexander
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt
 
06.09.2014, 12:31



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