13 Sins

Nicht genug Wahnwitz, aber gute Unterhaltung

von D.S.
Wenn er sich beim Q&A in Frankfurt auch mehr oder weniger deutlich vom Horrorgenre lossagte, so wirkte Regisseur Daniel Stamm doch durchweg sympathisch und down to earth. Zwar nicht wie jemand mit größter Leidenschaft für die dunkle Seite des Films, aber allemal engagiert und clever genug, um eine Auftragsarbeit wie 13 SINS anzunehmen und sie rundum solide zu inszenieren.

Der Film macht seine Sache ordentlich, unterhält ohne Längen und bietet das, was der Zuschauer sehen möchte – zumindest, wenn er das Original 13 BELOVED nicht kennt. An jenes erinnere ich mich zwar auch nicht mehr im Detail, aber ich meine, dass es in mancher Hinsicht deutlich zügelloser, extremer, eindrücklicher zu Werke ging, wenn es auch storyseitig simpler gestrickt und eindimensionaler angelegt war. Dieses Remake bedient halt westliche Sehgewohnheiten: Das Fressen von Hundescheiße ließe sich hier als eine der 13 Challenges unseres Protagonisten vermutlich nicht so leicht verkaufen, akzeptiert, aber der Verzicht auf so ikonisch abseitige Handlungssequenzen bedeutet eben auch den Verzicht auf Momente, die bald zehn Jahre später noch nachwirken und einem Film erst den Kult-Rang verleihen.

Solche hat 13 SINS eigentlich nicht zu bieten, dafür punktet er beim Härtegrad: eine Sägen-Splatterszene und eine Massenenthauptung bieten genug Blut, um den Gorehound hinter dem Ofen hervorlocken zu können. Wenn also auch statt wahnsinnig „nur“ hart, so wirkt der Film doch insgesamt ungewöhnlicher, phantasievoller und intensiver als viele andere Thriller – der grandios sicken Storyidee sei Dank: Elliot, ein Mann am Ende seiner finanziellen Optionen bekommt per ominösem Anruf aus heiterem Himmel die Chance geboten, nicht nur all seine Schulden abbezahlen zu können, sondern mehrere Millionen Dollar zu verdienen – indem er einfach nur 13 Challenges bewältigt. Diese fangen natürlich auf einem äußerst niedrigen Niveau an: Wer würde nicht für 1000 Dollar eine Fliege töten? Schon bald steigern sich die Aufgaben aber auf immer gefährlichere, demütigendere, gewalthaltigere Höhen. Die Polizei ist ihm auf der Spur. Und sein geheimnisvoller "Auftraggeber" scheint eine ganz besondere Agenda zu verfolgen...

Unterhaltsam ist das allemal, die stetig schlimmer werdenden Herausforderungen (von denen übrigens leider nicht alle 13 auch vorgeführt werden) zu verfolgen und wie unsere Hauptfigur mit ihnen umgeht. Wirklich zünden will das Ganze aber nicht. Was vielleicht daran liegt, dass einem das Verhalten von Elliot nicht nachvollziehbar genug erscheint – d.h. einerseits, dass seine Notsituation nicht glaubwürdig und existenziell genug gezeichnet ist und andererseits, dass er die Aufgaben und ihre Hintergründe erst viel zu spät und zögerlich zu hinterfragen beginnt.

Wenn es einen emotional also zum Großteil auch kalt lässt, bleibt man doch relativ gespannt bis zum Schluss bei der Sache. Dazu tragen neben der sauberen Produktion und dem guten Schauspiel auch einige nette Plottwists und Storyerweiterungen bei, die das Original so nicht zu bieten hatte.

Summa summarum: Ein akzeptables Ding für Thriller-Fans, dem etwas mehr Leidenschaft und Wahnwitz aber nicht geschadet hätten. Knappe 6 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

06.09.2014, 12:49



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