Blue Ruin

Blau ist eine kalte Farbe

von D.S.
DAS ist ein Fresh-Blood-Beitrag? Ernsthaft? DAS kommt vom Regisseur von ausgerechnet MURDER PARTY? Die Inszenierung von BLUE RUIN strahlt eine dermaßene Souveränität aus, seine Story eine solche Klasse, Schwere und Bitterkeit, dass man das kaum glauben mag.

Es handelt sich hier um einen äußerst sensibel strukturierten und temperierten Film, der aus einer klar definierten, simpel scheinenden Ausgangslage ein fast unmerklich immer weiter verzweigtes, immer intensiveres, immer hoffnungsloseres Dramaszenario entwickelt, das nahezu unabwendbar zum kompletten Untergang führen muss. Zum "Blue Ruin" eben.

Denkt Coen Brothers, aber ohne die skurrilen Figuren und grotesken Situationen; denkt Shakespeare in einer Welt von Außenseitern und zerbrochener amerikanischer Mittelschicht; denkt ein Familiendrama, dessen Handlung um Rache und (Selbst-) Zerstörung subtil bis ins Grenzenlose eskaliert wird – und sich dabei stets fatal nachvollziehbar, realistisch, glaubwürdig anfühlt. Es gibt hier keine großen Gesten, keine großen Reden, keine Helden, keine Schurken. Aber es gibt Missverständnisse, Fehleinschätzungen und jede Menge Opfer.

Manchmal sind es nur Nebensätze, die den Protagonisten wie den Zuschauern das ganze Ausmaß des Dilemmas vor Augen führen. Und nur noch tragischere Konsequenzen nach sich ziehen. Knalleffekte sind selten (und zum Gutteil kommt es zu ihnen im Zusammenhang mit der, leicht unpassend, etwas zu komödiantisch angelegten Nebenfigur des Ben, gespielt von Devin Ratray aus NEBRASKA), vorwiegend ist BLUE RUIN ein leiser, ernster, feinfühliger Film um Verzweiflung und die Taten, die sie auslösen kann.

Darauf muss man sich einlassen können, wird dann aber nicht nur von einer nüchternen Gnadenlosigkeit des Geschehens belohnt, sondern insbesondere auch von einer sensationellen Leistung des Hauptdarstellers Macon Blair, der die Figur des Dwight auf der Suche nach Vergeltung für den Tod seiner Eltern extrem wandlungsfähig und doch niemals überzeichnet spielt.

Die Farbe Blau spielt auf der Bildebene des Films eine große, wenn auch eher unterschwellig ausgespielte Rolle. Es ist kein warmes Blau. Und dieser Film kein freudvoller. 7 Punkte, für jeden Freund unaufgeregter, aber emotional beinharter Rachedramen ziemliches Pflichtprogramm.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

08.09.2014, 14:32



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