Open Windows

Frodo im wilden Hacker-Westen

von D.S.
OPEN WINDOWS besticht durch seine innovative, buchstäblich smarte visuelle Ästhetik – noch mehr beeindruckt hat mich aber vielleicht Hauptdarsteller Elijah Wood, der hier als nerdig-notgeiler Celebrity-Blogger mit wachsender Panik angesichts einer manipulativ eingesetzten, für ihn nicht zu durchschauenden Bedrohung mit allen Mitteln modernster Technologie zu 100% überzeugt. Und so seinem vom Hobbithelden wider Willen bis zum brutalen Frauenschlächter reichenden Portfolio eine weitere außergewöhnliche Facette hinzufügt, die eine eindimensionale Rollen-Festlegung verhindert.

Sein Nick ist ein naiver Hardcore-Jünger des Hollywood-Starlets Jill (Sasha Grey), der eine eigene Fan-Website für sie betreibt. Neben dem üblichen Info-Content konzentriert sie sich vor allem auf rare Paparazzi-Fotos und -Videos der Dame, weshalb Nick sofort Feuer fängt, als ein Unbekannter ihm via Voice-Chat die Chance offeriert, exklusive, delikate Aufnahmen von ihr zu machen. Und es zulässt, dass der mysteriöse Mann sich dafür in sein System ein-hackt. Was er wohl ohnehin nicht hätte verhindern können – denn wie sich herausstellt, ist nicht nur Nick in allen sicherheitstechnischen Dingen völlig unbewandert, sondern sein Gesprächspartner auch der Internet-Crack Nr. 1; förmlich ein Superman-meets-James-Bond der Hackerszene, der jedes mit dem Netz verbundene Equipment übernehmen und nach eigenem Gutdünken steuern kann. Schon bald wird Nick klar, dass er zum Spielball einer üblen Macht geworden ist. Aber was hat sie wirklich vor? Wer steckt dahinter? Wie, wenn überhaupt, kann er sie aufhalten?

Was inhaltlich gar nicht so weit weg ist von anderen Thrillern, in denen ein kriminelles Mastermind mit den richtigen Druckmitteln unschuldigen Nobodys ein bestimmtes Verhalten aufzwingt und/oder sie zu Figuren in seinem von langer Hand geplanten, perfekt ausgetüftelten Schachspiel macht, gewinnt durch seine Darstellungsform eine höchst eigenständige, originell wirkende Note. Das gesamte Geschehen wird in verschiedenen geöffneten Fenstern auf einem Laptop gezeigt, wobei wir mal in das eine, mal in das andere hineinzoomen oder auch in einer speziellen Art der "Parallelmontage" mehrere Handlungsauszüge gleichzeitig nebeneinander verfolgen. Zudem ist die Story äußerst wendungs- und temporeich inszeniert, so dass OPEN WINDOWS insgesamt sehr gut unterhalten kann.

Einige Schwächen sind aber nicht zu leugnen. Auf die albern simplifizierte, in dieser Form gnadenlos übertriebene Präsentation der technologischen Hintergründe und Möglichkeiten, die dem Ganzen zuweilen ein wohl unfreiwilliges Trash-Flair verleiht, will ich gar nicht weiter eingehen, das haben andere schon gemacht. Ärgerlicher finde ich mindestens einen schweren logischen Fehler in der Story, der sich erst am Ende erschließt, im Nachhinein aber einen kompletten Handlungsstrang überflüssig und sogar widersinnig macht. Daneben gewinnt man den Eindruck, dass das Finale des Films unnötig aufgeblasen wurde, um hier partout noch einen draufzusetzen. Was den intelligenten, wenn im Innersten auch etwas pulpigen Eindruck der vorher präsentierten Story leider deutlich beschädigt.

Zusammengenommen reicht es so gerade noch zu 7 Punkten. Wer seine Ansprüche an Logik und Niveau aber zugunsten von Spannung, Geschwindigkeit und ungesehener Optik ein Stück weit herunterschrauben kann, sollte OPEN WINDOWS definitiv nicht auslassen.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

09.09.2014, 19:27



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