Princess Aurora

Prinzessin der Schmerzen

von D.S.
Wenn ein Film so furios loslegt wie "Princess Aurora", möchte man ihn mögen. Die Mittdreißigerin Jung Soon-jung beobachtet auf der Toilette eines Kaufhofs, wie ein kleines Mädchen von seiner Mutter angebrüllt und geschlagen wird. Da fackelt sie nicht lange, sondern richtet die mißratene Erwachsene kaltblütig hin. Der Spieß wird geschwungen und in verschiedenste Körperteile gebohrt, daß es nur so eine Lust ist, der rote Körpersaft ergießt sich in wahren Strömen vor der (und auf die) Kamera.

Die nächste Gelegenheit zum Töten kommt bald, und die Wahl des Opfers läßt nun doch irgendwie vermuten, daß sich Jung Soon-jong zu einer Art Robin Hood der Grausamkeit erklärt hat: die Rächerin der Gedemütigten, der Schwachen, der unfair Behandelten. Dabei geht die hauptberufliche Luxusautoverkäuferin (...proudly sponsored by Porsche) nicht zimperlich vor - und auch nicht gerade wählerisch, was die jeweilige Tatwaffe angeht.

Leider aber hält der Film die Mordrate nicht konstant hoch. Ebensowenig wie das Tempo sonstiger Geschehnisse. Schon bald konzentiert er sich neben polizeilicher Ermittlungsarbeit vor allem darauf, uns die Beweggründe für ihr Tun zu erklären. Dabei werden die Details zwar erst zum Ende des Films vollständig aufgedeckt, im Groben wissen wir jedoch schon recht bald Bescheid - was nicht eben dazu beiträgt, die Spannung zu erhöhen.

Zudem ist die Geschichte, die sich uns hier Stück für Stück enthüllt, zwar eine tragische, aber weder ist sie neu, noch ist sie stets glaubwürdig bzw. überzeugend gespielt, noch ist sie in irgendeiner Form fesselnd inszeniert. Ein großer Teil der Handlung fließt gemächlich an uns vorbei, ein emotionales Involvement will sich nur ganz selten einstellen, vieles ist einfach zu vorhersehbar, bekannt, unterkühlt gehalten. Und so schleppt sich "Princess Aurora" vor allem im zweiten Drittel reichlich zäh dahin; es bleibt einem nichts als das Warten auf den nächsten Tötungsakt, auf daß es endlich wieder etwas zu genießen gibt.

Die vom Film über weite Strecken gepflegte Langeweile ist nicht nur schade, sondern auch schwer verständlich - wenn man sich die kreative Energie ansieht, die in den erwähnten Mordszenen zum Tragen kommt. Und auch die Zeichnung einiger der Charaktere ist tiefgehender als bei Massenware, zudem ist die Idee hinter der Story als solcher zumindest nicht ZU verbraucht. Dennoch will das alles hier nur über Teilstrecken zünden, wirkt im Ganzen deutlich zu verkopft und emotionslos.

Wer die seltsam anmutende Kombination aus bitterem Drama und kurzzeitigem Blutexzess zu den von ihm favorisierten Genres zählt, kann hier durchaus einen Blick riskieren, schlecht ist "Princess Aurora" bei weitem nicht. Man braucht allerdings doch ein wenig Sitzfleisch, um es bis zum intensiven Ende durchzustehen. Und an der einen oder anderen logischen Schwäche darf man sich auch nicht stören. Ich vergebe 6 Punkte.
D.S.

24.07.2006, 02:00



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