Under the Skin

Zieht sich (II)

von Dr_Schaedel
Die kunstvoll mit kosmischen Bildern gestaltete Eingangssequenz berichtet von der Ankunft (oder Anfertigung?) eines menschenähnlichen, aber mutmaßlich nicht menschlichen Wesens und weckt bereits große Vorfreude auf das, was kommen wird, nämlich Science-fiction der besonderen Art, präsentiert von Musikvideo-Großmeister Jonathan Glazer.

Diese kommt dann buchstäblich auf leisen Sohlen daher: In langen Beobachtungen der Bewohner der menschlichen Zivilisation, genau genommen, der Stadt Glasgow, und ihres Jägers, in surreal anmutenden Sequenzen, die von Mal zu Mal immer mehr über die Mechanismen der Ernährung der fremden Lebensform offenbaren, werden Menschen zu Opfern der Fremden (denn es scheint außer der Frauengestalt noch weitere Nutznießer der Beutezüge im Van zu geben). Gerne wüsste man mehr über diese Spezies, woher sie kommt, seit wann sie hier ist, wie sie denkt.

Leider stellt sich beim Zuschauer sehr schnell die Erkenntnis ein, dass keine auch noch so lange Betrachtung der steinernen Miene der Johansson Aufschluss über das Innenleben des fremden Wesens bringen wird. Nichtsdestotrotz wird diese den Großteil des ganzen Films ausmachen.

Dabei wäre es interessanter, öfter die Kamera um 180 Grad zu schwenken und uns die Sichtweise des Wesens zu vermitteln, den Blick auf Einkaufsstraßen zu öffnen, auf schöne und auf missgebildete Menschen, auf lüsterne Anmacher, auf Fußballfans, betrunkene Mädelscliquen oder ganz normale Familien... – muss doch eine verwirrende Welt sein, an die es sich da anzupassen gilt, allein diese Sprache!

Die Geschichte, die dann letztlich zusammenkommt, ließe sich auch zu einem zwanzigminütigen Kurzfilm verdichten. Der Film dauert aber fast zwei Stunden. Und so fällt Glazer nach etwa der Hälfte des Films nichts mehr ein, was er noch erzählen könnte. Auf so etwas wie Gegner, Konflikte oder Entwicklung der Figuren hat man ja leider verzichtet.
So lässt er seine Hauptdarstellerin noch viel Haut zeigen, ein wenig durch die Landschaft stöckeln und stolpern und noch ein paar unangenehme Erfahrungen machen, bis das (im Vergleich zum Vorangegangenen erstaunlich hastig abgehandelte) Finale Gewissheit und Erlösung bringt.

Für Scarlett-Johansson-Fans dürfte das der Himmel auf Erden sein. Für Sci-fi-Fans ist das eine doch recht zähe und nicht ganz befriedigende Angelegenheit. Fazit: Bebilderung hui, Storytelling pfui. Einigen wir uns auf die Mitte plus einen kleinen Stern für die außergewöhnliche Musik.
Dr_Schaedel
sah diesen Film im Cinema, München

18.09.2014, 02:48



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