Blue Ruin

Schwermütiger Revenge Thriller

von meiklsan
Wer letztes Jahr die ungemütliche Atmosphäre, die schleichende Behäbigkeit, die latente Spannung und depressive Grundstimmung eines „Grief Tourist“ (aka The Dark Tourist) mochte, wird auch dieses Jahr mit „Blue Ruin“ bestens bedient.

Völlig unvermittelt und ohne jegliche Einführung werden wir als Zuschauer direkt in den Film und mitten in das Geschehen hineingeworfen.
Ab sofort heißt es nur noch Story-Listening und Story-Building!

Allzu schwer wird es dem geneigten Filmfreund aber zum Glück nicht gemacht, und schon nach wenigen Minuten fiebern wir gemeinsam an der Seite des anfangs schrulligen Protagonisten aufmerksam mit, durchleben und -leiden jede Szenerie mit ihm mit und verfolgen ihn ab sofort hautnah auf seinem „Trip to Revenge“!
Und genau in dieser Verfolgungs-Machart liegt die besondere Stärke dieses Films, denn er packt uns von Anfang an, macht uns neugierig und nimmt uns quasi als stillen Beobachter mit auf die Reise durch die Gefühle, Aktionen und Reaktionen des ultra-normalen unscheinbaren Protagonisten, der in seiner Vergangenheit Grausames erlebt hat und dieses jetzt unbedingt rächen möchte.
Für die Hardliner unter uns sei nebenbei erwähnt, dass es dem Film trotz seiner dramalastigen Erzählweise in keinster Weise an wirklich unangenehmen blutigen Leidens-Sequenzen fehlt! Allerdings dienen diese wirklich extrem blutigen Exzesse hauptsächlich dem Storybuilding und wirken niemals aufgesetzt oder reißerisch, sondern fördern nur den Rachefeldzug unseres Protagonisten, der sich immer mehr vom unbedarften Sonderling und Familienmenschen zum soften ungewollten Racheengel entwickelt, der er wahrscheinlich niemals sein wollte!

Eingebunden in eine wohlig ästhetische Cinematographie voller natürlicher ruraler Strahlkraft, mit einem nur unterschwellig merklichen Soundtrack, kombiniert mit der gemächlichen Erzählweise und dem stets grau-blauen Kamera-Filter, erleben wir hier einen Revenge Thriller der besonderen Art, der uns und den Prostagonisten zwar schleichend, aber dafür kontinuierlich immer tiefer in den titelgebenden „Ruin“ führt.

„Blue Ruin“ ist der typische FFF-Nachmittagsfilm mit sehr viel Nachhaltigkeit, atmet durchwegs den Hauch von Independent, ist nach „Murder Party“ zwar „nur“ das Zweitwerk eines aufstrebenden Jung-Regisseurs, hat aber in Cannes und auf Sundance trotzdem für besonders positive Zustimmung gesorgt!

Insofern kann ich roundabout jedem Filmfreund die Sichtung dieses Filmes nur wärmstens empfehlen und vergebe somit glatte 8 Punkte.
meiklsan
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

20.09.2014, 20:08



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