Cold in July

Wendungsreich und toll gespielt

von ArthurA
Wenn der sanftmütige Richard (Michael C. Hall) einen Einbrecher in seinem Haus erschießt (weniger aus Heldenmut und Entschlossenheit und mehr, weil sein Finger am Abzug zitterte), ahnt er noch nicht, dass sein Leben sich dadurch grundlegend verändern wird und viele seiner Überzeugungen in ihren Grundfesten erschüttert werden. Die Tat wird von der Polizei nur zu gerne als Notwehr zugunsten des braven Bürgers ausgelegt, doch einen kümmert das wenig - den frisch aus dem Knast entlassenen Russel (Sam Shepard), den Vater des Toten. Er sucht Richard bald auf und terrorisiert ihn und seine Familie. Doch schon bald ändert sich die Situation für alle Beteiligten und Richard findet sich in einem Spiral aus Lügen und Gewalt wieder. Mehr sollte man eigentlich zu dem knackigen Südstaaten-Thriller auch nicht verraten, denn seine große Wirkung bezieht er aus der wendungsreichen Geschichte. Ähnlich wie einst Martyrs (inhaltlich auf keiner Weise vergleichbar!) wechselt Cold in July mehrmals abrupt seine Fahrtrichtung, und am Ende ist der Zuschauer weit ab von dem gelandet, wo er sich anfangs noch vermutete. Die Grundthemen bleiben aber gleich und die Entwicklung der Figuren sehr stringent. Richard muss seine Männlichkeit unter Beweis stellen, um sich neben Russel und dem gewitzten und abgebrühten Privatdetektiv Jim Bob Luke (ein herrlicher Don Johnson mit einem richtig geilen Charakternamen) zu behaupten, die mit jedem Atemzug Maskulinität ausstrahlen, welche Richard zu fehlen scheint. Nur so lässt sich erklären (wenn auch nicht zur Befriedigung aller Zuschauer), weshalb Richard immer weiter in die gefährliche Welt dieser Männer einsteigt, auch wenn er zahlreiche Möglichkeiten dazu hat, sie zu verlassen. Michael C. Hall, hier ganz anders als der souveräne Dexter Morgan, verkörpert die Wandlung der Figur nachvollziehbar, was für die Glaubwürdigkeit des Films entscheidend ist.

Nichtsdestotrotz stehlen ihm Shepard und v. a. Johnson hier die Show. Johnsons coole Sprüche mögen manchmal in dem sonst sehr harten Thriller fehl am Platze wirken, lockern die Stimmung aber angenehm auf. Sehr gelungen ist auch das Setting des Films im Jahre 1989. Das Highlight daran ist die zweifellos von John Carpenter beeinflusste Synthesizer-Filmmusik, die auch lange nach der Sichtung des Films in Erinnerung bleibt. Auch die Kamera fängt die Südstaaten-Atmosphäre der Zeitperiode fantastisch ein.
ArthurA
sah diesen Film im Cinedom, Köln - Original-Review

21.09.2014, 04:52



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