Spring

Frühlingstransformation

von Wishbringer
Mit "Spring" findet nun nach "Resolution" der zweite Feature Film des sympathischen Filmemacher-Duos Justin Benson und Aaron Moorhead den Weg aufs FFF. Erneut beweisen sie sich als Fans und Kenner des fantastischen Films, spielen vielfältig mit Genre Elementen, aber fokussieren ihren Film auf die Charaktere und ihre Beziehung. Beim Casting haben sie sehr viel Wert darauf gelegt, sympathische und natürliche Darsteller zu finden, und das ist ihnen mit Lou Taylor Pucci und Nadia Hilker hervorragend gelungen. Gegenüber ihrem Erstlingswerk stand ihnen hier ein deutlich größeres (aber vermutlich immer noch eher geringes) Budget zur Verfügung, aus dem sie aber wohl das Maximum herausgeholt haben und damit einen herausragenden, kreativen und einzigartigen Indie Film abgeliefert haben.

Abgesehen von dem gerne erwähnten "Before Sunrise" kamen mir beim Sehen oder im Nachhinein auch diverse - recht unterschiedliche - Genre- oder Arthouse-Filme in den Sinn, wie z.B. "Let the Right One In", "Only Lovers Left Alive", "Love Eternal", "Thale" oder "Under the Skin", aber immer nur in vereinzelten Aspekten. Denn "Spring" ist mit nichts davon direkt zu vergleichen, sondern etwas vollkommen Eigenständiges.

Drama, Komödie, Romanze, Horror, Fantasy, Mystery, SciFi, etc.: In Spring kann man sicherlich von Vielerlei ein bisschen finden, wenn man möchte. Und gezielte Genre-Mix-Versuche können schief gehen. Aber Benson und Moorhead machen sich, wie sie selbst sagen, gänzlich frei von Genre-Einordnungen und -Gedanken; und so kommt hier etwas heraus, wo einfach alles miteinander harmoniert, jeder Moment stimmig wirkt. Haupt- und Nebendarsteller, Drehorte und Dialoge strahlen ein Höchstmaß an Authentizität aus, und das fantastische Element fügt sich ein in diese Realität und ist thematischer Teil der Liebesgeschichte, die "Spring" im Kern ist. Sich in Skript und Regie frei zu machen von irgendeinem Schema F, macht die Geschehnisse unberechenbar und in Verbindung mit der Sympathie, die für die Protagonisten aufgebaut wird, den Film trotz seines manchmal vielleicht eine Spur zu gemächlichen Tempos, in jedem Fall spannend.

"Spring" ermöglicht uns eine Identifikation mit Evan, mit dem wir zusammen aus Kalifornien in einen kleinen italienischen Ort bei Pompeji fliehen (in stimmungsvollen, beeindruckenden Bildern von einer manchmal auch gewohnte Pfade verlassenden Kamera eingefangenen), konfrontiert uns mit einem Geheimnis um die schöne Louise, über das wir rätseln können, und vermag uns dabei sowohl emotional zu packen, als auch nachdenklich zu machen. So funktionieren hier auch Szenen, die im gleichen Moment Spannung, Dramatik und Humor rüberbringen. Traurige und witzige Momente, frühlingshafte Leichtigkeit und düster-geheimnisvolle Bedrohung in perfekter Koexistenz. Nichts wirkt hier überflüssig oder oberflächlich, alles - von der Eröffnungssequenz bis zum in meinen Augen genialen Ende - scheint einem roten Faden, einer Vision des Filmemacherduos zu folgen.

Der Trailer preist den Film vielleicht etwas düsterer, bedrohlicher und aufregender an, als er letztendlich ist, und ich hätte mir vielleicht durchaus noch ein wenig mehr Grusel und Horror gewünscht, aber egal. Ich habe ein spannendes, außergewöhnliches, sehr unterhaltsames, verspieltes, aber gleichzeitig auch tiefgründiges Werk sehen dürfen, das mir im Gedächtnis bleibt.

Für mich ist "Spring" das Highlight der diesjährigen FFF Nights. Im kommenden Film von Benson und Moorhead wird es um Aleister Crowley gehen. Ich bin gespannt.
Wishbringer
sah diesen Film im Cinedom, Köln

22.03.2015, 19:55



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