Ava’s Possessions

Spirit Possession Anonymous

von D.S.
Ein gut gemachter Genrestreifen, der souverän auf der Klaviatur der Konventionen spielt, ist von mir immer gerne gesehen – gerade im Bereich der Exorzismus- und Dämonenfilme. Noch viel lieber ist mir aber ein Film, der sich innerhalb der Thematik um eine wirklich mal originelle Idee bemüht, auch wenn er dann vielleicht inszenierungsseitig ein paar Schwächen aufweist – und genau das ist bei AVA’S POSSESSIONS der Fall.

Wir befinden uns hier in einer Welt, in der Besessenheit zwar als äußerst unschön betrachtet wird und gesellschaftlich geächtet ist, aber niemanden besonders überrascht und ungefähr so an der Tagesordnung ist wie Alkoholismus. Entsprechend gibt es für Menschen, die unter dem Einfluss ihres Dämons Straftaten begangen haben, nach seiner Austreibung drei Wahlmöglichkeiten: Knast, Nervenheilanstalt oder Gruppentherapiesitzungen bei der SPA – „Spirit Possession Anonymous“, einer Besessenheitsselbsthilfegruppe ähnlich den Anonymen Alkoholikern.

Ava (mich extrem an Kirsten Dunst erinnernd: Louisa Krause) entscheidet sich für die dritte Option. Teil der verordneten Maßnahme ist, dass sie alle diejenigen Menschen aufsucht, die Opfer ihrer dämonischen Exzesse wurden und sich bei Ihnen entschuldigt. Dabei stößt sie auf eine ganze Reihe Ungereimtheiten und offene Fragen – und versucht herauszufinden, was genau sie als Dämon wirklich getan hat. Sowie wie es eigentlich zu ihrer Besessenheit gekommen ist.

Von der absurd-schwarzhumorigen Comedy wird AVA’S POSSESSIONS so bald mehr zu einem wendungsreichen Mystery- und Detektivthriller, der leider im letzten Drittel etwas seinen Faden – und sein Tempo – verliert. Dennoch bleibt er bis zuletzt sehr unterhaltsam, schon wegen seines Handlungsrahmens: die irre Grundidee der Normalität dämonischer Präsenzen wird immer wieder für herrlich abstruse Situationen und trockenen Wortwitz genutzt, was den Zuschauer ebenso immer wieder förmlich zum Schmunzeln zwingt.

Dämonische Besessenheit als Suchtproblem der anderen Art und damit ein ganz neuer Blick auf ein altes Thema, der sich zum Glück nicht ausschließlich in plumpen Gags ergeht: Auch, wenn er sich am Ende überhebt und in der Inszenierung phasenweise die nötige Souveränität vermissen lässt, ist AVA’S POSSESSIONS für Fans des Exorzismusgenres allemal einen Blick wert. 6 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

17.08.2015, 03:50



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