crazy

Hyena

Schwer reinzukommen, noch schwerer wieder raus

von D.S.
Nirgendwo sind die Cops schmutziger, ist die Gewalt brutaler, der Drogenkonsum exzessiver als in zeitgenössischen Crime-Thrillern aus UK. HYENA setzt aber selbst in diesem als hyperaggressiv bekannten Subgenre neue Maßstäbe – ein THE SWEENEY zum Beispiel wirkt dagegen schon fast wie Disney.

Hier gibt es zunächst keine einzige Figur, für die man Sympathien aufbauen kann; sogar die Frau unseres Antihelden wird als zickiges Drogenwrack gezeichnet. Und er selbst als das korrupteste Pig unter der Sonne, der zur Kooperation auch mit den verabscheuungswürdigsten Mördern und Menschenhändlern bereit ist, solange nur sein Anteil stimmt.

Sich in dieser Welt zurechtzufinden, in der es nur Schattierungen von widerwärtig gibt, ist schwer – für den Zuschauer nicht zuletzt der anfangs undurchsichtigen Personenkonstellationen und des mal so richtig derben Dialekts der meisten Beteiligten wegen. Aber auch unsere Hauptfigur scheint ihre Übersicht zu verlieren, als seine Handelspartner von absolut menschenverachtenden Konkurrenten aus dem Weg geräumt werden und er auch noch ins Visier innerpolizeilicher Ermittlungen gerät...

HYENA ist insgesamt deutlich langsamer, deutlich ruhiger inszeniert, als es der Trailer glauben macht. Das nimmt ihm jedoch nichts von der Wucht, die dieser verheißt. Die Atmosphäre ist finster und gemein, die Gewaltausbrüche sind extrem, und bei all den miesen Charakteren mit ihrem skrupellosen Vorgehen fühlt man sich bald fast genauso schmutzig wie der Untergrund des Bösen, in den wir hier hineingezogen werden. Und der gleichermaßen aus Protagonisten in Trainingsanzügen wie aus solchen in Polizeiuniformen besteht.

Der Film wirkt außergewöhnlich rau, bitter authentisch und nihilistisch; geladen mit einer ungesunden Energie, die auf den Zuschauer abstrahlt. Ein ungemein intensives Seherlebnis – dem ich sein Ende allerdings ziemlich übel nehme, das mit „abrupt“ noch grenzenlos euphemistisch umschrieben ist. Nichtsdestotrotz eine dicke Empfehlung für jeden Freund harter, schmerzhafter Cop-Filme made in UK. 7 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

21.08.2015, 04:28



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