crazy

Therapie für einen Vampir

Sehr charmant

von D.S.
Weniger die erwartete Gag-Parade als vielmehr ein liebevoll und durchaus hochwertig ausgestattetes „Period Piece“, das uns mitten ins Wien des Jahres 1932 hineinversetzt.

Überraschend stilvoll, insgesamt – noch überraschender – eher behutsam humoristisch und in altmodisch gemächlicher Erzählweise werden uns die Gemütsverstimmungen eines von Langeweile und Eheproblemen heimgesuchten Vampir-Edelmannes nahegebracht, die er, auf der Couch von Sigmund Freud liegend, behandelt wissen möchte.

Wie bereits im Review von Alexander erwähnt, spielt die titelgebende Therapie – wie auch die wunderbare Freud-Figur – nur eine Nebenrolle. Im tatsächlichen Zentrum der Handlung stehen ein junger Maler und seine Freundin, auf die das Vampirpaar aus unterschiedlichen Beweggründen ein Auge wirft. Was zu Liebesverwirrungen jedweder Spielart führt...

THERAPIE FÜR EINEN VAMPIR besitzt viel Charme und Flair, profitiert von skurrilen, aber nicht albern überdrehten Charakteren sowie nicht zuletzt vom morbiden Charme Wiens, dessen Kulisse kongeniale Sets bietet. Mit Ausnahme einiger billig wirkender Greenscreen-Effekte kann der Look hier ohnehin sehr überzeugen; das sieht alles wesentlich edler und teurer aus, als man annehmen konnte. Auf Wiener Schmäh muss allerdings weitgehend verzichtet werden – die allermeisten Charaktere sprechen bestens verständliches Hochdeutsch.

Weniger deutsch wirkt dagegen, wie angedeutet, der Humor des Films. Platte Situationskomik gibt es nur selten, schenkelklopfenden Wortwitz noch viel seltener – einzig das Thema der mangelnden „Selbstreflexion“ (huah, huah) von Vampiren wird ein paar mal zu oft aufs Trapez gebracht. Dafür lernen wir aber auch Neues über sie: ihr Zählzwang war mir bislang höchstens von Graf Zahl bekannt...

Auch, wenn ich kein großer Freund von Komödien bin, kann ich die THERAPIE insgesamt empfehlen. Der Film ist gut besetzt (u.a. mit David Bennent aus DIE BLECHTROMMEL in der wohl am plakativsten albern angelegten Nebenrolle des Films) und gespielt, visuell einnehmend, storyseitig originell genug und atmosphärisch stimmig. Zwar nimmt er sich zwischendurch zu viel Zeit und es mangelt an Höhepunkten. Dafür aber ist er, passenderweise, in seiner Witz-Tonalität insgesamt auch angenehm zurückhaltend.

Überraschend gelungen – 6 Punkte, und für Vampirfreunde mit Humor allemal empfehlenswert.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

23.08.2015, 04:55



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