von Fans für Fans

The Connection

Cooles Gangsterkino

von ArthurA
Es gibt einen Grund, weshalb die deutschen Beiträge beim Fantasy Filmfest in der Regel sehr rar gesät sind (dieses Jahr ist eine Ausnahme), während die Franzosen sich schon lange als fester Bestandteil des Festivals etabliert haben. Unsere gallischen Nachbarn haben es einfach drauf und wissen, wie man gutes, hochwertiges Kino produziert in den Genres, die bei uns die Studios gar nicht erst anfassen wollen. Nicht nur im Horrorkino haben sich die Franzosen im letzten Jahrzehnt immer wieder aufs Neue bewiesen, auch französische Action- und Gangsterfilme vom Feinsten bekommen wir regelmäßig vorgeführt. The Connection von Cédric Jimenez ist ein solches Gangsterepos, das in seiner sehr stilsicheren Machart mit jedem Hollywood-Werk mithalten kann, jedoch ein Stück rauer daherkommt. Jedem Cineasten sollte The French Connection mit Gene Hackman, hierzulande ursprünglich als Brennpunkt Brooklyn bekannt, ein Begriff sein. The Connection beleuchtet die französische Seite dieser Geschichte. Sicherlich ist der Film eine Spur konventioneller als der britische Hyena vom Vortag, jedoch keineswegs schlechter. Der Film fängt die Siebziger-Ära von Marseille samt Wildlederjacken, Koteletten, Glamour-Discos, Kettenrauchern und gelegentlichen Gewaltausbrüchen auf offener Straße wundervoll ein. Es ist tolles, schön abgefilmtes, altmodisches Kino, das die große Leinwand verdient hat. Doch das Juwel des Films sind seine beiden Hauptdarsteller. Als Kontrahenten gehen Dujardin und Lellouche in ihren Rollen voll auf, wobei Lellouche den komplexeren Part hat. Beide sind Familienväter und obwohl der Film nie Zweifel daran lässt, dass Tany ein skrupelloser Krimineller ist, wird er trotzdem nicht als eindimensionale Schablone gezeigt, sondern als ein Mensch, der seine Frau und Kinder liebt, der den Verlust seiner Freunde betrauert und der nicht einfach zu sinnloser Gewalt greift. Obwohl man um seine Missetaten Bescheid weiß, kommt man nicht umhin, mit ihm ebenso mitzufühlen wie mit Michel und gerät in ein Dilemma der Sympathien.

Neben diesen beiden Leinwandgrößen gerät der dritte große Star im Bunde, Benoît Magimel, als Tanys einstiger Verbündeter und späterer Konkurrent leider zu sehr in den Hintergrund und man hat auf jeden Fall das Gefühl, dass hier zugunsten der Laufzeit auf eine weitere Entwicklung der Figur verzichtet wurde. Darin liegt eigentlich die größte, vielleicht sogar einzige Schwäche des Films. Obwohl er mit 135 Minuten Laufzeit der längste Beitrag des Fantasy Filmfests 2015 ist, fühlt er sich insbesondere im finalen Akt etwas zu hektisch an. Schließlich deckt The Connection einen Zeitraum von sechs Jahren ab und man wird das Gefühl nicht los, dass hier einiges vereinfacht oder schlicht übersprungen wurde. Am Ende, wenn der Film der Zielgeraden atemlos entgegenhetzt, bleiben leider einige Fragen offen. Man wünscht sich, dass die Macher sich getraut hätten, in die Vollen zu gehen und ein dreistündiges Epos abzuliefern. Dieses wäre vielleicht zu einem Meisterwerk des Krimigenres geworden, so haben wir aber "nur" einen verdammt guten Gangsterfilm mit fantastischen Darstellern, und das ist schon mehr, als man von vergleichbaren deutschen Filmen der letzten Jahre behaupten kann.
ArthurA
sah diesen Film im Residenz, Köln - Original-Review

27.08.2015, 04:36



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