crazy

Road Games

Auf dem Holzweg

von D.S.
Was ist schlimmer als Genrefilme von der Stange, die bloß altbekannte Muster kaum variiert auf Nummer Sicher nochmal durchkauen? Genrefilme, die sich ungeheuer clever vorkommen, weil sie auf die Mechanik "unvorhergesehene Wendungen" setzen – und dabei einen Scheiß darauf geben, ob diese Wendungen wenigstens in irgendeiner Weise glaubwürdig, nachvollziehbar oder zumindest mal spannungsvoll inszeniert sind.

ROAD GAMES ist leider genau so ein Film. HIGH TENSION kann vermutlich gar nicht wirklich allzu viel dafür, aber ich nehme ihn trotzdem in persönliche Haftung; und sei es nur, weil er ebenso aus Frankreich kommt. In seinem Gefolge wurde uns jedenfalls nicht nur die "New Wave of French Horror" beschert (der ROAD GAMES definitiv nicht zugeordnet werden kann, da er kaum blutige Momente enthält), sondern auch eine gewaltige Menge an Filmen, die eigentlich weder story- noch inszenierungsseitig sonderlich viel zu bieten haben. Aber sich gewaltig was auf ihren "Twist" einbilden. Ob er nun rockt oder nicht.

Sinnbild für diese Selbstverliebtheit ist im vorliegenden Fall ein kleiner Satz am Ende der Schluss-Credits von ROAD GAMES, der da lautet: "Thanks for watching... but it’s not over yet!" Was dann noch folgt, ist aber nur eine völlig überflüssige Szene, die weder Story noch Stimmung irgendetwas hinzufügt. (Nachdem der Film, nebenbei bemerkt, an das eigentliche Ende seiner Handlung ohnehin noch eine mehrminütige Sequenz rangeklatscht hatte, die er sich ohne jede Verluste einfach hätte schenken können.) Dass jene Credits von einem Song im 80s-Retro-Synthie-Stil begleitet werden, dessen Hipness sich langsam überdeutlich abgenutzt hat, ist da kaum noch der gesonderten Erwähnung wert – auch wenn er hier besonders unpassend wirkt und die verantwortliche Band (?) sich ironisch (?) oder vermessen (?) "Carpenter Brut" nennt. Ha, ha.

Zur Story ist nicht viel zu sagen: Ein junger Engländer versucht in Nordfrankreich, per Anhalter nach Calais zu kommen, stößt irgendwann auf eine ebenfalls hitchhikende Französin, nach einiger Frustration auf der Straße kommt man sich näher und wird schließlich von einem etwas creepy wirkenden Mann mitgenommen, der Unterkunft und Essen in seinem Haus anbietet. Man geht auf das Angebot ein, obwohl man sich nicht sehr wohl dabei fühlt – schließlich ist in der Gegend ein berüchtigter Serienkiller zugange, der es insbesondere auf Anhalter abgesehen hat. Einmal im Haus des zwielichtig hilfsbereiten Fremden angekommen, nehmen die Seltsamkeiten in seinem Verhalten und dem seiner amerikanischen Ehefrau bald überhand...

...zu irgendeiner Art von Handlungs- oder auch nur Spannungsexplosion führen sie jedoch leider nicht. Das Tempo des Geschehens ist dabei ausgesprochen niedrig; davon abgesehen, versucht der Storyverlauf seinen größten Reiz aus Sprachschwierigkeiten bzw. Verständnisproblemen zu beziehen, ist dabei jedoch sich selbst gegenüber äußerst inkonsequent: Mal verstehen oder sprechen die englischsprachigen Protagonisten erstaunlich viel Französisch, mal nicht die simpelsten Dinge. Und vice versa.

Das fühlt sich konstruiert an – alles passiert eben gerade so, wie es zur Absicht des Drehbuchs passt. Und das gilt, wie sich herausstellt, auch im übergreifenden Sinne. Anders, kurz gesagt: Die Story von ROAD GAMES offenbart sich als derart an den Haaren herbeigezogen, als so dermaßen albern unwahrscheinlich, dass es einen glatt ärgerlich machen kann. Und da es auch inszenierungsseitig kaum etwas zu vermelden gibt, das davon ablenken könnte, sind 4 Punkte das höchste der Gefühle. Ordentlich gespielt, stellenweise sogar atmosphärisch dicht, aber mit viel zu wenig Zug umgesetzt – kaum Spannung, kaum Handlungshöhepunkte, letztlich fast kein inhaltlicher Gehalt. Enttäuschend.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

09.12.2015, 14:38



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