crazy

Green Room

Wer im Green Room zerstückelt wird, bleibt auch im Green Room

von Leimbacher-Mario
Nachdem Jeremy Saulnier spätestens mit dem außergewöhnlichen Rache-Thriller "Blue Ruin" auf sich aufmerksam gemacht hat, wird ihn "Green Room" sicher aus seiner Geheimtipp-Deckung katapultieren, dafür hat er selbst ohne Zweifel gesorgt. Das hier ist ein Paukenschlag der wehtut. Der ultrabrutale Thriller über eine Rockband, die in einer Nazi-Kaschemme irgendwo im Nirgendwo Dinge sieht, die sie besser nicht gesehen hätte, kämpft ohne Schutz. Wahrhaft hardcore & er schont selbst das hartgesottenste Publikum nicht. Einer der Crowdpleaser auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest Nights - selbst hier wurde oft gestöhnt & gestaunt über das intensive Fast-Kammerspiel.

Als Genrefan muss man diese stilvolle Schlachtplatte fast schon als heiligen Gral preisen - denn es wird ein Tempo, eine Intensität & eine Härte vorgelegt, die man heutzutage einfach schmerzlich vermisst. Meine Hände waren am schwitzen. Mehrmals. Die junge Band "Ain’t Rights" wirkt zwar punkig & aufsässig, aber nie überzogen. Ganz im Gegenteil, die grandios von z.B. Anton Yelchin & Alia Shawkat dargestellten jungen Erwachsenen sind cool, authentisch & wirken recht sympathisch. Nie schwach oder hilflos, eher sich der kritischen Situation bewusst. Umso krasser & schlimmer für uns, wenn diese von den beängstigenden Nazis, kein bisschen geschont werden. Die Gewaltausbrüche sind der Wahnsinn & gehen unter die Haut, wortwörtlich. Ähnlich aus dem Nichts wie bei Tarantino, aber wesentlich unangenehmer, ernster & weniger comichaft. Allgemein gilt: Wie ernsthaft & humorlos hier spürbar ALLES auf dem Spiel steht ist gnadenlos & eine Wohltat in der weichgespülten Filmlandschaft. Manchmal vielleicht etwas zu cool & stilisiert aber es ist ja auch Kunst. Auf-die-Fresse-Kunst!

Die intensiven 94 Minuten werden niemals langweilig & der Film fesselt einen sofort. Er zieht dich in seinen grün-roten Bann, mit wunderschönen Bildern & einem Regisseur, der absolut auf Topniveau zaubert. Sobald der Film die Nazi-Kaschemme verlässt verlor er mich teilweise & das Finale ist etwas enttäuschend & hätte besser gelöst werden können. Das entschädigen aber Schmankerl wie Cpt. Picard als furchteinflössender "Führer" der brutalen Nazis, auch wenn man ihn nie wirklich in Aktion sieht & man sich fragt, warum denn alle so einen Respekt vor diesem Kerl haben. Andrerseits: Wer hat den nicht vor Dr. X oder dem Captain der Enterprise. ;) Ungewohnte Rolle für die meist so sympathische Glatze, macht er aber toll. Ich kann es kaum erwarten diesen düsteren Knaller meinen Freunden zu zeigen, muss aber noch überlegen für wessen Magen er nicht vielleicht zu viel sein könnte. ;)

Fazit: Töte Nazis oder sterbe - intensives Katz-&-Maus-Spiel ohne Kompromisse. Saulnier gehört die Zukunft! Was für eine schweißtreibende Granate von Film, dem nur hinten raus minimal die Luft ausgeht. Harte Kultkost in Zukunft, da bin ich mir sicher! Highlight 2016! Ein "Fleischwolf" als Film. ;)
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

12.04.2016, 15:07



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