Southbound

Der hübscheste Episodenhorror ist leider nicht der beste

von Leimbacher-Mario
Meine Meinung über die größeren Episodenhorrorfilme wie "VHS" oder "ABCs of Death" ist nicht nur positiver als die der meisten Kritiker, sondern auch höher als die der meisten Horrorfans. Ich glaube oder hoffe, dass sie in 30 Jahren ähnlich beliebt & angesehen sein werden wie beispielsweise ein "Creepshow" oder "Twilight Zone". Ich liebe die Abwechslung, die Ideen, die Schnelligkeit - nicht umsonst ist das nun ein so spürbarer Trend. Und wenn man dann von "Southbound" hört, dass ein Großteil des VHS-Teams beteiligt ist & er deren bisheriges Magnus Opus sein soll, lässt das aufhorchen & baut mächtig Erwartung auf. Teilweise zu viel, teilweise berechtigt.

Bevor ich zu den 5 einzelnen Episoden komme, ein paar allgemeine Eindrücke. Wer anderen Episodenhorror mag, kommt auch hier gut auf seine Kosten. Das Wüstensetting ist atmosphärisch & wortwörtlich höllisch, die Länge der Geschichten passt, die Darsteller machen ihre Sache gut. Man merkt das Talent & die unterschiedlichen Ideen hinter der Kamera jederzeit, von Horrorfans für Horrorfans heißt es auch hier. Hommagen, Andeutungen & Inspirationen an allen sandigen Ecken. Besonders cool sind diesmal die Übergänge zwischen den Episoden - smooth, cool, zusammenhängend & fließend. Der größte Pluspunkt & nur selten wirkt das erzwungen. Tolle Teamarbeit! Die Geschichten bieten von Grusel bis schwarzem Humor eine knackige Mischung, verlassen aber nie ernsthaft die mittlerweile ausgetrampelten Pfade. Außerdem wirken manche Schicksale nicht abgeschlossen, wobei (wie gewohnt & erwartet) natürlich nicht jede Geschichte ein Volltreffer sein kann. Die Hitdichte könnte auch hier durchaus noch höher sein.

Story 1 handelt von zwei Männern, die in einer Art Zeitschleife gefangen sind & von bösen Racheengeln verfolgt werden. Gute Effekte, etwas Humor, oldschooliger Twilight Zone-Vibe, genug Spannung & sogar Splatter - klasse Beginn & Mix (7,5/10).

Story 2 handelt von 3 Mädels, deren VW-Bus einen Platten hat & die dadurch, per Anhalter, in die Fänge einer besonderen Familie geraten. Das lustigste Kapitel, tolles, übertriebenes Spiel der Familie & ein cooler Übergang in die Folgeepisode. Das Sektenthema ist aber etwas ausgelutscht. (6,5/10)

Story 3 ist das Highlight, "The Accident". Humor, pechschwarzer; Gore, verdammt böse; eine OP auf eigene Faust, mit ein paar hinterhältigen Stimmen im Ohr. Smile :) (8,5/10).

Story 4, in der ein Bruder seine Schwester sucht, erinnert an "From Dusk Till Dawn" meets "Lost Highway" - klingt aber aufregender als es war & wirkte überladen, nicht abgeschlossen & zu Ende gedacht. (5/10)

Und last but not least: Story 5 - natürlich: Home Invasion mit Twist darf auch nicht fehlen. Auch, wenn ein toller Bogen gespannt wird & der ganze Film dadurch stimmig wird: einzeln betrachtet ist das die schwächste Episode & wenig innovativ. (3,5/10)

Fazit: ich wollte ihn lieben, es wird wohl eher Freundschaft. Altes Blut aus schicken, neuen Schläuchen - schmeckt noch, aber Begeisterung sieht anders aus...
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

13.04.2016, 14:28



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