Summer Camp

Virus wechsel dich

von Leimbacher-Mario
Gibt es im Subgenre Zombiefilm noch Sachen, die, besonders für Fans, nicht abgenutzt erscheinen? Die man so vielleicht noch gar nicht gesehen hat? Die meisten Zombiemaniacs sagen dazu wohl am ehesten so etwas wie "Nein - ist mir aber egal!". Dass man dem verwesenden, aber (zum Glück) scheinbar unsterblichen Genre noch neue Impulse geben kann, zeigt der spanische "Summer Camp". Dass die sonnenverwöhnten Südländer seit einigen Jahren einen verdammt guten Lauf in Sachen Horrorfilme haben, muss nicht weiter betont werden. Ich sage nur "Rec", "Sleep Tight" oder "Kidnapped". Der hier besprochene, extrem flotte Schocker über ein Virus in einem spanischen Sommercamp reiht sich vielleicht nicht ganz oben ein - ist für Fans von "28 Days Later" oder dem Remake von "Dawn of the Dead" aber ein Tipp. Ein kleiner - aber immerhin ein Tipp.

Was hebt "Summer Camp" also über den Durchschnitt? Der lahme Titel, der sich eher wie ein Working Title anhört, kann es schon mal nicht sein... Ist es das schicke andalusische Camp? Nein, das dient eher als graues Mittel zum Zweck, ebenso lässt sich die spanische Sonne nur selten sehen. Sind es tolle Charaktere & Darsteller? Absolut nicht - von sympathisch bis nervig ist alles dabei, nur nichts Herausragendes. Dazu kommt noch, dass absolut keine Zeit bleibt, den Charakteren näher zu kommen oder gar Identifikation aufzubauen. Ist es ein hoher Gore-Gehalt & tolle Splatter-Effekte? Nein, eine gehörige Portion Härte hätte dem Film gut getan & im Ansehen weiter hoch katapultiert. Vielleicht ein ausgefallenes Zombie-Design? Ebenfalls eher nein - als Mix aus Rage-Virus & klassischen Zombies rufen sie keine Begeisterungsstürme hervor.

Worin liegt denn dann das Besondere? Ganz einfach: am so simplen wie genialen & neuen Twist, dass die Infizierten nur ein paar Minuten oder vielleicht eine Stunde durchdrehen - danach verfliegt die Wirkung & die Betroffenen stehen verwirrt & ohne Erinnerung vor ihren Taten. Diesem dauernden Rundlauf des Virus’ & der einhergehenden Verwirrung ist es zu verdanken, dass einige Überraschungen, ein enormes Tempo, viel Spaß, bitterböser Humor & eine ungewohnte Situation entstehen. Passend zur Location erinnert das oft eher an ein Fangenspiel als an eine brutale Bedrohung - und das meist mit Absicht. Das hemmt die Spannung, erhöht aber das Schmunzeln. Wie gesagt: Mehr Mut zur roten Körperflüssigkeit & ein höherer Bodycount - fertig wäre ein echt kultiges Feuerwerk gewesen. So punktet komplett ohne Einschränkungen nur die Schlusspointe. Aber spätestens dadurch verlässt man den Sessel sicher mit einem Grinsen, das so manches Kopfschütteln während der 90 Minuten verblassen lässt.

Fazit: Spaß & Wonne, an der spanischen Sonne. Schnell, fun, mit neuen Twists auf alten Ideen. Spaniens "The Crazies"!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

13.04.2016, 14:26



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