von Fans für Fans

The Visit

Oma & Opa sind immer einen Besuch wert

von Leimbacher-Mario
Von 0 in den Hollywood-Olymp & zu Vergleichen mit Hitchcock - und wieder zurück auf den harten Boden der Tatsachen. All das hat der Twistmeister M. Night Shyamalan in den letzten 15 Jahren erlebt - von Meisterwerken, die zu meinen Lieblingen gehören, wie "The Sixth Sense", "Unbreakable" oder "Signs", bis hin zu Augenkrebs wie "Lady in The Water" oder "After Earth". Nun hieß es für ihn nicht nur, Fans & vielleicht sogar übereifrige Kritiker wieder einzufangen, sich selbst zu rehabilitieren & bei den Basics anzufangen, sondern ganz einfach/schwer: endlich wieder einen guten Film zu machen!

Was eignet sich dafür besser als eine kleine, feine Gruselstory, für nur ganz wenige $$$ gedreht, die gleichzeitig auch noch doppelbödige Kritikerabrechnung & simpler Neuanfang ist!? Denn genau das ist "The Visit" - um den Stein direkt vom Herzen zu haben: ich finde, ein guter, sehenswerter Film, gerade für Horrorfans. Trotz sonst oft nervigem Found-Footage-Style, trotz oft ebenso komplizierter Kinderschauspieler, trotz Blumhouse als Produzenten im Rücken - ich hatte überraschend viel Spaß beim Kinobesuch! Von Grusel über Ekel bis Witz war vieles dabei, genug Abwechslung auf dem Wochentrip zweier Kinder zu ihren mysteriösen Großeltern. Sogar die Shyamalan-typische, finale Wendung zog auch 15 Jahre nach "Ich sehe tote Menschen!" im Kino hörbar. Was aber wohl auch am geringeren Altersdurchschnitt (& IQ-Schnitt?) im Kino lag, von denen die meisten "Sixth Sense" leider wohl noch nicht mal gesehen haben...

Trotzdem fand ich nicht nur den realistischen & dadurch umso effektiveren, nicht übernatürlichen Twist gelungen, auch einzelne Passagen machten mir mehr Spaß als erwartet. Von einfachen Jump-Scares bis zu einer bedrohlichen Stimmung & einem grandios-gruseligen alten Ehepaar spielt der Film abwechslungsreich auf der Horrortonleiter. Als positive Überraschung nahm ich den Witz & die Situationskomik im Film auf. Ich hoffe nur, die war auch gewollt, sonst sollte man M. Night echt keine Filme mehr machen lassen. Schaut euch den Film, wenn es geht, in der OV an, denn der kleine Junge rappt nicht gerade wenig, was auf Deutsch nahezu unerträglich wirkt - und das sagt ein Hip-Hop-Fan! Man spürt sowohl die entfernte Last von Shyamalans Schultern durch das Mini-Budget, die Leidenschaft für die gruselige Idee, einen der schönsten Orte für Kinder zum Alptraum werden zu lassen, als auch die Wut auf seine überharten Kritiker, die selbst doch noch nicht mal gute Filme (er-)kennen würden. Über mehrere Ebenen gibt es also genug zu entdecken. Nur die Aussage bzw. das Ende, dass Wut keine Lösung sei & man verzeihen soll, fand ich etwas unpassend & aufgesetzt!

Fazit: ein kleiner Schritt für die Horrorwelt, aber ein großer in die richtige Richtung für den gebeutelten Regisseur! Ein kurzweiliger Grusel mit viel mehr Lachern als erwartet!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Cinedom, Köln

14.04.2016, 08:17



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