crazy

TiMER

Lebe um zu lieben & liebe um zu leben

von Leimbacher-Mario
Innovationen & geniale Ideen sucht man in Hollywood vergebens, selbst im Indiebereich muss man jedes Jahr genau hinschauen. Und mit der romantischen Komödie gehen frische Ideen & mutige Einfälle sowieso nicht konform. "TiMer" ist da erfrischend anders & muss schon für seine hervorragende & viral-geniale Idee gelobt werden. Die kleine Indie-RomCom-Perle aus 2009 stellt wesentliche, gesellschaftskritische & liebespsychologische Fragen. Ein gar nicht so romantischer Liebesfilm & eine gar nicht so lustige Komödie - und trotzdem herausragend & ein Geheimtipp. Wenn auch nicht ohne Schwächen, trotzdem eine gute, lohnenswerte Zeit.

Was wäre, wenn du anhand eines Chips in der Hand erkennen könntest, an welchem Tag du die Liebe deines Lebens triffst? Genau dieser Segen/Fluch hat die Welt in "TiMer" überkommen - der Liebescountdown für die komplette Gesellschaft. Natürlich funktioniert das nur, wenn dein Seelenverwandter auch einen Timer trägt - dann bimmelt’s aber auch zu Hause 100% sicher & das für den Schnäppchenpreis von nur 1,99$ pro Monat (plus 79,99$ einmalige "Anschlusskosten"). So verspricht zumindest der Hersteller - ewige Liebe, ohne ewiges Warten. Oder zumindest ist immer ein Ende in Sicht...

Das ist wieder mal so eine einfache, aber abgefahrene Idee, dass man sich fast ärgert, nicht selbst darauf gekommen zu sein. Erst recht, wenn man Filme machen würde. So kann man diese kleine, prickelnde Überraschung als Filmfan aber einfach genießen. Der Look & der Cast sind unspektakulär, aber erstaunlich gut, wenig zeugt von dem geringen Budget. Und dass die Charaktere nett & realistisch erscheinen, schultert das ganze Geschehen besonders gut. Der Film ist keiner, bei dem man allzu oft laut lacht, dafür schmunzelt man umso mehr, lacht in sich hinein. Alles aber recht intellektuell & clever versteckt - mal Wortspiele, mal kleine Gesten, mal Situationskomik. Viele kleine Nuancen, die anderen Filmen des Genres schon längst abgehen. Da wird auf seine Null gewartet, die wahre Liebe verlassen, weil der Countdown was anderes sagt & die Gesellschaft ist schrecklich konditioniert. Der Bruder der Protagonistin lernt seine große Liebe schon als Teenager kennen - ist das nun Traum oder Alptraum?

Die Liebesgeschichte zwischen der immer mehr aufblühenden Hauptdarstellerin & einem viel jüngeren Rocker ist der emotionale Kern & funktioniert erstaunlich gut. Auch das Anti-Happy-End der beiden passt & könnte auch in echt so geschehen, wird durch ein Happy End mit jemand anderem dann aber wieder untergraben & zunichte gemacht. Besonders verärgert hat mich das Ende aber, weil es den kompletten Film ad absurdum führt & dessen oft kritisierte, abhängige & unspontane Gesellschaft bestätigt. Das Ende regt mich auf & ist Quatsch mit Sauce. Vielleicht ist auch das realistisch, wenn es wirklich ein solches technisches Wundermittel gäbe, aber schön, die wahre Liebe suchend & das Leben lebend ist das nicht. Ein unterschwelliges, traurig machendes, dystopisches Ausrufezeichen, getarnt als Happy End. Auch mal was.

Fazit: einfallsreiche & gesellschaftskritische RomCom, bei dem mir nur das Ende etwas seltsam aufstößt & den Film von außergewöhnlichen Wertungsregionen abhält!
Leimbacher-Mario

13.04.2016, 14:14



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