von Fans für Fans

Pontypool

Radio Undead

von Leimbacher-Mario
"Pontypool" von Regisseur Bruce McDonald ist ein mehr als willkommener frischer Wind im Zombiegenre. Kein einfacher Film, auf dessen Prämisse man sich einlassen muss & der Fast-Food-Guckern sicher übel aufstoßen kann. Doch Genrefans mit etwas Geduld & vor allem Vorstellungsvermögen, bekommen einen innovativen, viralen Twist auf das Zombie-Genre. Der atmosphärische Grusler von 2008 spielt fast ausschließlich in einer Radiostation, ganz im Sinne von "Assault on Precinct 13" oder " The Thing", wo sich nach & nach das Grauen breit macht. Denn das kleine Team um den charismatischen Mazzy als Radiomoderator, ist zwar vorerst in Sicherheit, doch es dringen immer mehr seltsame Zeichen von außen ein, die auf einen tödlichen, neuartigen Virus schließen. Oder auf eine große Verarschung. Oder auf einen üblen Traum. So oder so - allzu lange wird unserer Dreierteam nicht mehr sicher sein in der schalldichten Kabine...

Schon Orson Welles zeigte vor fast 100 Jahren, wie leicht die Welt durch Fantasie & Unwissen verunsichert werden kann - mit seinem legendären Radiospiel "Krieg der Welten". Und auch "Pontypool" baut vor allem auf den Grips & die Vorstellungskraft der Zuschauer. Da man immer auf dem Wissensstand des sympathischen Radioteams ist & nur Ausschnitte aus der umliegend ausbrechenden Hölle mitkriegt, ist unsere Imagination gefragt. Ob es Berichte des rasenden Außenreporters per Telefon oder seltsame Geräusche von außerhalb des Gebäudes sind - fast alles spielt sich in unserem Kopf ab. Ein Horror zum Ausmalen, fast ein Hörspiel. Umso kranker unsere Fantasie, desto besser wird wohl der Film. Dazu ein wirklich cooler Radiomoderator & ein Virusgrund, der gleichzeitig so durchgeknallt wie genial ist. Viele Fragezeichen am Ende (bis nach den Abspann sitzenbleiben!), doch auch viel Gesprächsstoff. Ein sehr eigenes, persönliches, subjektives Filmvergnügen - für die einen mehr, für die anderen weniger.

Der Film kommt etwas schwer aus den Puschen & dreht sehr spät auf, zumindest mit ein paar Schauwerten, auf die man nicht ganz verzichten konnte. Es handelt sich ja immer noch um ein Film, kein Hörbuch. Und die Grundidee kann man als sehr experimentell & theoretisch bezeichnen, muss man nicht verstehen oder mögen. Doch der andersartige Ansatz, die eindringliche Atmosphäre & der trockene Humor, bieten genug neues, um sich weit vom Einheitsbrei abzusetzen. Und schreien wir Genrefans nicht immer nach Eiern, Innovation & Mut? Wenn dieser Film nicht mutig ist & eine kranke Idee konsequent umsetzt, mit seinem geringen Budget vorzeigbar jongliert, dann weiß ich auch nicht. Ein bizarrer Ohrwurm von Film - kryptisch, gruselig & hörbar anders!

Fazit: Worte, die die Welt verändern... aber mal so gar nicht im klassischen Sinne! Erfrischende, klaustrophobische & fantasievolle Variante des Virus-Themas. Carpenter & Welles hätten sicher Spaß!
Leimbacher-Mario

10.11.2016, 11:16



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