The Intruder

An den Haaren herbeigeprügelt

von D.S.
"Based on true Events", heißt es im Abspann. Hmm. Selten hat es mich mehr interessiert, was von der hier gezeigten Geschichte tatsächlich auf wahren Begebenheiten beruht. Sollte es mehr sein als die Ausgangsidee, habe ich entweder ein schwerwiegend falsches Menschenbild, oder die Belgier sind wirklich komplett bescheuert.

Wie ich das im Detail meine, kann ich kaum erklären, ohne zu spoilern. Aber wesentliche Knackpunkte der Story wirken einfach so unglaublich konstruiert, daß man den Drehbuchautoren fragen möchte, ob er eigentlich auch mal ein paar Tage unter Menschen verbracht hat - oder ob er sein gesamtes Leben damit vertan hat, sich schlechte Krimis im TV anzusehen.

Tom ist Arzt in einem Krankenhaus in Brüssel, verliert seinen Job zu Beginn des Films allerdings, als er nach 18 Monaten immer noch nicht damit klarkommt, daß sein Engel von Tochter verschwunden ist. Er nervt seine gesamte Umgebung und ganz Brüssel permanent mit aufgelösten Fragen nach ihrem Verbleib, was einem zunächst ja auch nicht ganz unverständlich scheint. Als er schließlich in einer Bar auf ein 15jähriges Mädchen stößt, das unsicher behauptet, seine Tochter gesehen zu haben, erwacht er zu neuer Energie. Da sie sich erst weigert, näheres auszuplaudern, nimmt er sie mit zu sich nach Hause, schläft neben ihr im Bett ein - und sieht sich am nächsten Morgen prompt mit dem Vorwurf des Kindesmißbrauchs konfrontiert und vorläufig festgenommen.

Das bringt ihn aber nicht davon ab, sich noch mal ausführlich mit dem Mädchen unterhalten zu wollen, weshalb er ihr in das abgelegene Ardennendorf folgt, in das ihre bald herbeigeeilten Eltern sie zurückbringen - unsagbar glücklich, sie wiedergefunden zu haben, nachdem sie - sieh an, sieh an - genau wie seine Tochter 18 Monate lang verschwunden war.

Im Dorf findet sich Tom dann allerlei Ungereimtheiten und zudem zunehmenden Feindseligkeiten der inzestuösen Einwohnerschaft gegenüber. Und mit jeder Minute ist er sich sicherer, hier etwas über den Verbleib seiner Tochter herausfinden zu können...

Was er dann natürlich auch tut, wobei der Film, was man ihm zugute halten muß, an Überraschungen nicht spart. Dummerweise nur sind die meisten dieser Überraschungen eben völlig unglaubwürdig und außerdem - vielleicht noch schlimmer - extrem unbeholfen in Szene gesetzt. Wie mit dem Holzhammer wird uns eingeprügelt, daß dieses und jenes Detail später sicherlich von seeeeeeeeeeeeehr großer Bedeutung sein wird. Und wenn man auch die Haken, die die Story schlägt, und ihren Ausgang kaum vorhersehen kann, so wird uns doch jederzeit nachdrücklich klar gemacht, welche Figuren hier Dreck am Stecken haben und daß hier von Diesem und Jenem ganz definitiv einige Geheimnisse unter Verschluß gehalten werden.

Gut, das macht den Film wenigstens über weite Strecken recht unterhaltsam, wenngleich er auch um einiges hätte gestrafft werden können. Zudem punktet "The Intruder" in Sachen Atmosphäre - trist, verkommen und feindselig wirken Dorf und Bewohner, und man traut ihnen problemlos ALLES zu. Auch die weibliche Hauptdarstellerin ist ein Plus, als aufreizende Lolita überzeugt sie uneingeschränkt; die Figur des Tom wird gleichfalls recht eindringlich und intensiv gespielt.

Daß der Film für mich trotzdem ein großer Reinfall war, liegt in der Story selbst begründet. Hier gibt es einfach ein paar Zufälle und Unglaubwürdigkeiten zuviel, das Ganze wirkt so unwahrscheinlich, daß ich mich einfach nicht darauf einlassen konnte. Die Fernsehkrimi-Optik tat ein übriges, so daß ich mich zeitweise wie in Folge 438.965 von "Der Alte" fühlte, wo den Autoren aber auch wirklich GAR nichts realistisches mehr eingefallen ist.

Kann man sich ansehen, wenn man sich über Handlungswendungen und Menschen wundern möchte; wenn man allerdings etwas halbwegs Nachvollziehbares erwartet, sollte man das hier besser meiden. 4,5 Punkte und ein wenig Ärger darüber, daß die vielversprechende Ausgangssituation in solchem Blödsinn mündete.
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt

29.07.2006, 05:24



Weitere Informationen (externe Links):