von Fans für Fans

Deliver Us from Evil

Zu spät fürs Beten!

von Leimbacher-Mario
Nachdem Ole Bornedal trotz seinem genialen Thrillerdebüt "Nightwatch" Mitte der 90er etwas in Vergessenheit geriet, erwischte mich der spannungstechnisch mit allen Wassern gewaschene Regisseur mit "Deliver Us From Evil" (2009) erneut eiskalt auf dem falschen Fuß. Der dänische Thriller über eine kleine Gemeinde, in der der Mord an einer alten Frau die gewohnten Bahnen gewalttätig aufreißt, ist ein Nervenzerfetzer. Ein brutaler Kampf, der daran erinnert, wie böse & zerstörerisch & beeinflussbar wir Menschen doch sein können. Fies, farblos, fabelhaft. Einer der besten Thriller, von denen du noch nie gehört hast. Spannung, Brutalität & in jedem steckende (Un)Menschlichkeit, wie sie fast nur die nordischen Thriller so unterkühlt zeigen können. Wie sich die zunächst idyllisch & nicht sehr unnormal wirkende Gemeinde in Fremdenpass, purer Wut & teuflischer Gewalt verliert, wie leicht hier Gesetze in totalem Chaos zerfallen, sieht man so ganz selten. Ein Zittern, Zischen & ständige Unruhe durchfährt den Körper während dieses Films. Unerbitterliches Spannungskino, dem man nur seine von Peckinpah kopierte Grundidee etwas ankreiden kann. Doch da sein Thema nie alt wird, in so auf Messers Schneide stehenden Zeiten wie heute erst recht nicht, kann man das verzeihen & verstehen.

Ich mag Bornedals grauen, hoffnungslosen Stil, der hier auf die Spitze getrieben wird & unabdingbar war, um dem Thema Nachdruck zu verleihen. Und es klappt: so schnell vergisst man die Hetzjagd auf den Ausländer & möglichen Mörder nicht. Dabei sind die Twists & Schocks nicht zum Selbstzweck, sondern wirken natürlich & fast wie selbstverständlich. Die Realität ist, trotz der künstlerisch kühlen, farb- & hoffnungslosen Bildsprache, greifbar & genau so vorstellbar. Traurig & beängstigend, gerade wenn man eigentlich an das Gute in uns Menschen glaubt. Ein wachrüttelnder Film, über das Es im Menschen & unseren innerlichen Drang gegen die Regeln, Grenzen & Sitten. Die Darsteller spielen natürlich, egal wie abgefuckt das Szenario verkommt. Ein paar der besten Darsteller Dänemarks. Am Ende steht man alleine mit dem Schock, muss die Lehren ziehen oder auch nicht. So oder so: Kalt lässt einen dieser beinharte Thriller nicht. Der Mensch, das grundsätzlich asoziale Wesen. Das Böse in uns ist noch immer schockierender als jedes Monster, Killer oder Alien. Der Film wühlt die Emotionen & den Hass gegen seine Ungerechtigkeiten auf, er ist eine eisige Naturgewalt. Wie der Mensch, das Tier. Oder Schlimmeres.

Fazit: So etwas wie der dänische Geheimtipp-Vorläufer von "Green Room" & der Nachfolger von "Straw Dogs". In seiner dunklen Art zeichnet "Deliver Us From Evil" ein nachhallend pessimistisches Werk über den Zustand der menschlichen Natur. Verstörend, aufwühlend & genial!
Leimbacher-Mario

22.11.2016, 14:20



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