Under the Shadow

Ein Geist geht um in Iran

von MrRossi
Teheran zur Zeit des Ersten Golfkrieges in den 1980er Jahren. Als hätte Shideh aufgrund ihrer oppositionellen Tätigkeiten während der Iranischen Revolution nicht schon genug Probleme, da wird ihr Mann Iraj auch noch in den Krieg eingezogen, so dass sie sich allein um ihre Tochter Dorsa kümmern muss, während die irakischen Bombenangriffe auf die Stadt beginnen. Zu allem Überfluss bringen diese Angriffe nicht nur Zerstörung in das Haus der jungen Familie, sondern auch einen Dschinn, der von nun an ihr Leben zur Hölle macht.

Ich hätte ja nicht geglaubt, dass es ein Geisterfilm noch einmal schafft, dass ich mich grusele, unbequem im Kinosessel hin und her rutsche und mich an zwei Stellen so richtig erschreckt. Lange hat es gedauert - doch Under the Shadow hat es tatsächlich geschafft. Im Gegensatz zu den üblichen Hollywood-Produktionen verzichtet der Film hier auf großen Bombast und einen Soundtrack, bei dem man im Kopf bereits den Countdown herunterzählen kann, bis der Erschreckmoment kommt. Under the Shadow baut seine Atmosphäre mit ganz einfachen Mitteln auf und erzeugt seinen Grusel mit dem, was man eben nicht sieht und greifen kann - das ist für mich Horror in Reinkultur.

Der Film ist aber mehr als nur ein Horrorfilm über einen Geist. Denn das Gespenst, dass in diesem Film umgeht, und das Leben von Shideh schwer macht, ist nicht nur der Dschinn, sondern auch der durch die Revolution eingeführte theokratische Staat mit seiner islamischen Ordnung und dessen Einführung eines moralischen Kodex und Bekleidungsvorschriften für Frauen. Als sie sich vor ihrem eigenen Spiegelbild erschreckt, weil sie einen schwarzen Niqab trägt, ist dies mehr als nur eine Andeutung. Under the Shadow klagt aber nicht mit erhobenen Zeigefinger an, sondern zeigt einfach an Shidehs mehr oder weniger "normalem Alltag", was es für eine Frau, die sich frei entfalten möchte, bedeutet, in solch einem Regime zu leben. Für eine iranisch-jordanische Produktion sehr mutig. Für mich ist dieser Film das erste Highlight des diesjährigen Filmfestes.
MrRossi
sah diesen Film im Cinecitta', Nürnberg

20.08.2016, 10:10



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