von Fans für Fans

Deep in the Wood

Nomen est nicht immer Omen

von Leimbacher-Mario
Jedes Jahr verschwinden Millionen Kinder weltweit - "Deep In The Wood" beschäftigt sich mit einem italienischen Fall. Doch hier taucht der am berühmten Krampus-Tag verschwundene Junge nach 4 quälend langen Jahren wieder auf - was nicht heißt, dass bei seiner angeschlagenen Familie nun wieder alles heiter Sonnenschein ist. Ganz im Gegenteil: durch Vorwürfe über die Jahre zerrüttet & sich nicht mal sicher, ob der Junge wirklich ihr Tommi oder gar El Diablo persönlich ist, entfaltet sich ein Krimi mit übernatürlichen Andeutungen. Und der Titel passt: denn die vielen Geheimnisse der psychisch labilen Charaktere können durchaus als waldiges Dickicht beschrieben werden.

Die größte Stärke des Films ist ganz klar seine realistische Krimi-Atmosphäre & seine Konzentration auf die dramatischen Situationen & das Gefühlschaos der Figuren/Familie, des Dorfes. Jeder hat sein Geheimnis, keiner scheint wirklich sauber, im Endeffekt vielleicht am ehesten die, bei denen man es am wenigsten erwartete. Dass der Film sich viel bei Damien leiht, kann man durchgehen lassen, vor allem, weil er dann schnell wieder eine Kehrtwende Richtung dramatischem Krimi macht. Eher Italia-Tatort als "Omen". Kann man begrüßen, kann ebenso drüber enttäuscht sein, wenn man die teuflische Schiene lieber gefahren wäre. Ich persönlich habe dämonische Kinder in Filmen schon oft genug gesehen & begrüße die realistische, wenn auch etwas versponnene Crime-Story eher. Der Mix passt hier eigentlich ganz gut.

Die Darsteller sind klasse & das italienische Wald- & Bergpanorama der Dolomiten ist ebenfalls atmosphärisch. Vom Krampus-Fest zu Beginn hätte ich gerne noch mehr gesehen. Solche hübschen Settings & Momente heben ihn über europäisches TV-Niveau, selbst wenn einem die Story stark bekannt vorkommt. Der Film ist grau & das Gegenteil von Bella Vita, zeigt eine ziemlich brachliegende Gesellschaft, in der ein Kinderleben weniger gilt denn je. Wer Filme wie "Die Behandlung" oder die nordischen Thriller ala "Girl With The Dragon Tattoo" mag, wird auch diesen italienischen Tiefflieger schätzen. Er kommt jedoch eher durch das Hinterstübchen & ist kein Film, der sich aufdrängt. Mehr Geheimtipp & Special Interest geht dieses Jahr auf dem Fantasy Filmfest wohl kaum. "In Fondo Al Bosco" kriegt einen eiskalten Daumen hoch, selbst wenn er am Ende einen Haken zu viel im blutigen Schnee schlägt.

Fazit: guter italienischer Krimi mit starker Charakterzeichnung & dichter Atmosphäre, der sich gegen Ende in seinen Twists etwas überschlägt & insgesamt zahm, etwas unspektakulär daherkommt. Trotzdem besser als 90% der Tatorte & Co.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

03.09.2016, 04:04



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