von Fans für Fans

Carnage Park

Exploitation-lite

von ArthurA
Der Mensch als ultimative Beute - das haben wir bereits in der Filmgeschichte mehrfach gesehen, darunter in Der Todesmutige von Cornel Wilde, Surviving the Game von Ernest R. Dickerson und Strafpark von Peter Watkins. Letzterem huldigt Carnage-Park-Regisseur Mickey Keating nicht nur mit seinem Filmtitel. Überhaupt ist Carnage Park ein Sammelsurium aus Versatzstücken, Referenzen und Verbeugungen, das unmissverständlich an die Werke von Tarantino, Peckinpah und Rob Zombie angelehnt ist. Das alleine ist natürlich kein Qualitätsurteil, denn schließlich hat auch Tarantino seine gesamte Karriere auf Hommagen und Huldigungen aufgebaut. Beim 25-jährigen Macher von Carnage Park sieht die angestrebte Coolness zuweilen aber doch arg bemüht aus, insbesondere in der Anfangsphase des Films, die uns informiert, der Film beruhe auf einer der bizarrsten Episoden der US-amerikanischen Kriminalgeschichte (und enthält vermutlich in etwa so viel Wahrheit wie Django Unchained). Der vermasselte Banküberfall, den wir nicht zu sehen bekommen, stammt direkt aus Reservoir Dogs und Retro-Popmusik sowie Namenseinblendungen von Charakteren wie "Scorpion Joe" erwecken eher das Gefühl einer Amateurkopie von Tarantino.

Doch Carnage Park fängt sich überraschend gut, sobald er diese aufdringlichen Stilmittel fallen lässt und Vivians Überlebenskampf beginnt. In diesen Momenten zeigt der junge Regisseur (es ist bereits sein vierter Spielfilm!), dass sein inszenatorisches Talent über reines Kopieren seiner Idole hinausgeht. Zwar erinnert diese Sektion des Films in ihrer Ästhetik stark an Rob Zombies Exploitation-Werke wie The Devil's Rejects oder Haus der 1000 Leichen, das stört jedoch die Spannung und die leicht surreale Atmosphäre nicht. In diesen Momenten geht Carnage Parks unangenehmes Ambiente langsam aber sicher unter die Haut und Keating schreckt auch nicht vor einigen sparsam eingesetzten und deshalb wirkungsvollen, drastischen Gewaltdarstellungen zurück.
ArthurA
sah diesen Film im Residenz, Köln - Original-Review

04.09.2016, 00:54



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