von Fans für Fans

The Girl with All the Gifts

Intelligentes und spannendes Zombiekino

von ArthurA
Der folgende Review enthält SPOILER!
Wir erfahren im ersten Akt des Films, dass ein mutierter Pilz einen Großteil der Bevölkerung von Großbritannien zu "Hungries" mutieren ließ (aber wir können der Einfachheit halber einfach von Zombies reden). Auf Kinder, die jedoch bereits im Mutterleib infiziert wurden, hatte der Pilz eine etwas andere Wirkung, insofern als dass sie ihre kognitiven Fähigkeiten nicht eingebüßt haben und deshalb auch die einzige Hoffnung auf ein Heilmittel darstellen. Aus diesem Zweck werden die Kinder auf der Basis gehalten und von der Wissenschaftlerin Dr. Caldwell (Glenn Close) gelegentlich zu Studienzwecken seziert. Für die meisten dort sind sie nicht mehr als Monster, deren Zombie-Instinkte nur durch ein Gel im Zaum gehalten werden, das den Geruch der Menschen überdeckt. Die junge Lehrerin Ms. Justineau (Arterton) entwickelt jedoch eine emotionale Beziehung zu den Kindern und insbesondere zu Melanie. Diese bleibt auch bestehen, nachdem Paddy Considines Soldat ihr effektiv vorführt, was passiert, wenn Melanie ihren echten Geruch wittert. Just in dem Moment als Melanie unters Skalpell soll, wird die Basis in einer rasanten, den Puls nach oben treibenden Szene überrannt und nur einige wenige Überlebende können dem Gemetzel entfliehen - Caldwell, Justineau, drei Soldaten und Melanie, die aus Sicherheitsgründen, mit einer Hannibal-Lecter-Maske ausgestattet, auf dem Truckdach festgeschnallt wird.

Die junge Sennia Nanua ist eine Offenbarung. Nicht seit Lina Leandersson in So finster die Nacht habe ich eine so überzeugende Performance von einem Kind in einem Horrorfilm gesehen. Ihr Kampf gegen ihre Instinkte, wenn das Gel seine Wirkung langsam nachlässt, ist fast genau so schmerzhaft anzusehen, wie die Szene, in der sie die Wahrheit über ihre Herkunft erfährt. Obwohl sie ihnen die Show stiehlt, leisten auch die erwachsenen Darsteller ihren Beitrag. Glenn Close bringt die nötige Gravitas zu der Rolle und hat mehr Nuancen als man von einer besessenen Wissenschaftlerin in einem Zombiefilm vielleicht erwarten würde. Gemma Arterton setzt den Trend fort, dass sie ihre besten Performances in Filmen abliefert, die beim Fantasy Filmfest laufen. Nach Spurlos - Die Entführung der Alice Creed und Byzantium ist es eine weitere gute Darbietung von der häufig unterschätzten jungen Engländerin. Sie ist das leuchtende Herz unter den Überlebenden.

Auch ohne ein gigantisches Hollywood-Budget erschafft Regisseur Colm McCarthy ein beeindruckendes Bild einer Welt nach ihrem Untergang und der Rückeroberung durch die Natur. Trotz bekannter Elemente, sind die zahlreichen Spannungsmomente (zum Beispiel, wenn sich die Überlebenden durch Horden von schlummernden Zombies unauffällig bewegen müssen) sehr effektiv in Szene gesetzt. The Girl with all the Gifts ist intelligentes und emotionales Genrekino, das zwar nicht auf die üblichen Versatzstücke verzichtet, sie aber wohl dosiert einsetzt. Zombies mögen abgedroschen sein, aber so lange das Thema immer noch Filme wie diesen hervorbringt, dann sehe ich für das Subgenre auch eine Zukunft.
ArthurA
sah diesen Film im Residenz, Köln - Original-Review

05.09.2016, 13:16



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