von Fans für Fans

Kidnap Capital

Land of the Free

von Leimbacher-Mario
"Kidnap Capital" behandelt ein extrem düsteres Thema der momentanen US-Geschichte - das der sogenannten Drophäuser, wo illegale Einwanderer unter unmenschlichen Umständen festgehalten & erst unter Lösegeldzahlungen ihrer Freunde & Verwandten in die Freiheit entlassen werden. Allgemein ist Einwanderung ein extrem aktuelles & nun auch in Filmen immer öfter behandeltes Thema, zu dem wir auch in Europa so langsam ein Lied singen können. Ob es solche Häuser auch hierzulande oder in Europa gibt? Sicher keine allzu realitätsferne Idee, was diesen fast schon zu ehrlichen & harten Thriller noch näher & unangenehmer an uns heran holt.

Ohne großartigen Torture Porn, ohne übertriebene Brutalität - die gezeigten, oft an KZ-Bilder erinnernden Umstände eines überfüllten Kellers mit nackten, verängstigten & schwachen Mexikanern reichen, um den Magen öfter mal auf links zu drehen. Nicht nur sind die Führer dieses Drophouses erbarmungslos & kalt, nicht nur der Dreck, das wenige Essen oder die Ungewissheit sind schlimm. Viel mehr ist die Enttäuschung, Ratlosigkeit & Entmenschlichung spürbar. Anstatt in einem freien Land der unbegrenzten Möglichkeiten landete man in einem Keller, behandelt wie ein Tier. Schlimmer noch. Selbst ein Kampf scheint es kaum wert zu sein. Kein Vor & kein Zurück.

Hier gehen jegliche Würde, Stolz & Mut verloren, was vielleicht etwas erklärt, warum die Gefangenen nicht stärker & effizienter gegen ihre Peiniger vorgehen. Das, zusammen mit ein paar aufgebauschten, verkomplizierten Entscheidungen & Wendungen gegen Ende, ließ bei mir einzelne Fragezeichen zurück. Doch auf Grund des ansonsten erschreckend realistischen Stils des aufrüttelnden Films muss man wohl auch dieses Verhalten der modernen Sklaven & ebenso das der Nachbarn, der Polizei (?) oder des Staates als sehr wahrscheinlich annehmen. Unvorstellbar & seltsam, aber so ist unsere Welt scheinbar. Sein nüchterner Vortrag ist also seine größte Stärke wie größte Schwäche zugleich - richtig spektuläre filmische oder erzählerische Highlights bleiben aus. Der Film bleibt trotzdem hängen.

Fazit: Welcome to America - durch die realistischen Umstände schockierend & niederschmetternd, dazu schweißtreibend gespielt & ein emotionaler Eiertritt. Trotzdem bleibt das Gefühl, dass hier noch viel mehr drin gewesen wäre. Mehr Drama, mehr Schock, mehr Spannung, mehr Stil. Mehr Film, weniger Realität.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

06.09.2016, 02:50



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