von Fans für Fans

The Eyes of My Mother

Wolf im Arthouse-Pelz

von Leimbacher-Mario
Entweder Arthouse oder Terrorkino. Entweder "Eraserhead" oder "Martyrs". Entweder "A Girl Walks Home Alone At Night" oder "Inside". Beides zusammen geht nicht. Denkste! Denn "The Eyes of My Mother" erzählt die Geschichte des Bösen höchstpersönlich - wie es in einer ungebremsten Alptraum-Spirale zur Normalität eines Mädchens & ihrer Umwelt wird. Bis zum unausweichlichen Knall am Ende. Viel zu spät für einige. Wahrscheinlich für alle.

Was ist das nur für ein teuflisch böser Film? Und dabei noch unter solch einer hübschen Hülle getarnt? Wahnsinnig gemein. Im Genrebereich sind gefühlt gerade einige bitterböse, erbarmungslose Anti-Happy-End-Filme unterwegs. Doch "The Eyes of My Mother" toppt in seiner puren Art & Konsequenz fast alles. Ein Erlebnis der schwarzen Art. Ein Film, der mich wach hält & der die kommenden Nächte prägen wird. Und das während einem vollgestopften Festival. A wonderful nightmare.

Irgendwo zwischen dem Verlust der Unschuld, einem surrealen Alptraum & einem Horrorkunstwerk, nistet sich dieses fiese Werk in unserem Unterbewusstsein ein. Nicht nur, weil es schön wie ein Gemälde aus der Hölle ist, nicht weil es einige physische & psychische Grausamkeiten bereithält. Sondern weil es zeigt, was passiert, wenn Mord, Tod, Einsamkeit & Dunkelheit zur Normalität werden. Was passiert, wenn sich unser Weltbild verschiebt. Was passiert, wenn Erziehung falsch läuft & das pure Böse, zumindest nach unserer Definition, Amok läuft in Gestalt eines Immerkindes. Und dieses sich darüber zu keinem Zeitpunkt bewusst ist, eiskalt & monströs handelt, jedoch nichts Schlimmes in seinen Taten erkennt. Ein verkanntes Monster. Mitleid macht sich breit. Vermischt sich mit Angst. Und ganz viel Respekt vor dem Macher dieses gegensätzlichen Anti-Fiebertraums. Vielleicht ein Horrorklassiker in the Making.

Fazit: surrealer & extrem nachdrücklicher Schwarz-Weiß-Schocker - böse, böse, böse. Wenn das Böse Normalität wird. Und alptraumhaft hübsch isser. Arthouse trifft Terrorkino. Willkommen, ihr Alpträume!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

06.09.2016, 03:17



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