von Fans für Fans

Don't Grow Up

Achselzucken

von D.S.
Auf der fiktiven britischen Insel "Northlands", Meilen vom Festland entfernt und hier von Teneriffa verkörpert, begehen sechs Problemkids die Feiertage im Jugendheim, da sie niemanden haben, zu dem sie gehen könnten. Es kommt sie aber auch niemand besuchen – nicht mal der Erzieher, der für ihre Betreuung eingeteilt worden ist. Also drehen die vier Jungs und zwei Mädels, alle zwischen 16 und 18 Jahren alt, erst mal ein bisschen auf: Dringen ins Zimmer des Direktors ein, studieren ihre Akten, rauchen ein paar Joints und stürzen gefundenen Whiskey. Weil es nichts zu essen gibt und sie noch durstig sind, unternehmen sie einen Trip in die Stadt. Wo sie schnell – und auf drastische Weise – erfahren, warum die Straßen menschenleer sind und nirgendwo ein Erwachsener zu sehen ist: die haben sich nämlich allesamt in aggressive, blutgierige Monster verwandelt, die mit Vorliebe Jagd auf Kinder machen...

Diese hochatmosphärischen, intensiven Minuten im typischen Zombiefilm-Stil sind die stärksten von DON'T GROW UP – und das sagt dann schon einigermaßen deutlich aus, dass der Film aufs Ganze gesehen nicht so wirklich funktioniert. Denn die Erwachsenen-Bedrohung ist eigentlich nicht sein zentrales Thema. Vielmehr geht es um die Probleme des "Großwerdens", um die Suche nach seinem Platz in der Welt und die Frage, wie sehr die Erlebnisse der Kindheit einen Menschen auf lange Sicht prägen.

Spannende Themen – denen sich der Film aber leider nur aufs Oberflächlichste nähert. Ein einziges Mal wird in einem Dialog gefragt, was einen denn zum Erwachsenen macht, und eine Antwort darauf kann man sich aus dem Geschehen beim besten Willen nicht erschließen. Die seltsame Krankheit auf der Insel scheint auch einige Jugendliche zu befallen, unabhängig von ihrem Alter. Aber warum; weshalb manche wohl seelisch schon (plötzlich) "erwachsen" sind und andere nicht... darüber kann man nur spekulieren. Es werden uns nicht mal Ansätze von Gründen dafür dargeboten.

Zudem gelingt es DON'T GROW UP erschreckend schlecht, uns seinen Protagonisten näherzubringen. Zu vermitteln, wer sie wirklich sind, wie sie fühlen, was in ihnen vorgeht. Dabei beginnt er sogar mit einer Video-Interview-Sequenz, in der sie von ihren Kindheitserlebnissen und ihren Zielen berichten – aber das alles fühlt sich hohl und unecht an. Und auch im weiteren Verlauf wirken alle Dialoge zu diesen Themen wie einstudiert; zahlreiche Rückblenden zu einem traumatisierenden Geschehnis im Leben einer Figur vermitteln nichts, was nicht auch in einer einzigen Rückblende hätte vermittelt werden können; die Figurenzeichnung bleibt ausnahmslos flach und eindimensional.

Somit können wir kaum mit ihnen mitleiden oder auch nur gesteigertes Interesse am Schicksal der einzelnen Figuren entwickeln – wir lernen sie ja kaum kennen, obwohl uns der Film außer ihrer Beobachtung kaum etwas bietet. Die 81 Minuten, die wir mit ihnen auf der Suche nach einem Ausweg von der Bedrohung verbringen, fühlen sich deshalb sehr lang an. Konflikte unter ihnen und vereinzelte Konfrontationen mit Erwachsenen und anderen Kindern/Jugendlichen können auch nicht für sonderlich viel Spannung sorgen.

Teilweise sehr zäh und ereignislos, mit einem Thema im Hintergrund, das kaum bearbeitet wird und nur wenigen vordergründigen Reizen versehen, die zumindest das Interesse hochhalten könnten, versandet der immerhin vor schöner Kulisse schön gefilmte Jugendlichen-Thriller deshalb weitgehend – und löst vor allen Dingen Achselzucken aus. 4 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

07.09.2016, 01:59



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