Vermutlich muß man die Romanvorlage kennen, um das Geschehen hier, seine Auflösung und natürlich auch die Adaption an sich angemessen beurteilen zu können. Ich kenne sie nicht und fühle mich ehrlich gesagt nur bedingt qualifiziert, irgendwelche Detail-Deutungen abzugeben. Dazu ist in "A Scanner Darkly" vieles zu verwirrend gehalten - mal abgesehen von der manifestierten Aussage des Ganzen, die ich leider ziemlich platt und 70er-Jahre-mäßig finde, im Sinne von "Die Welt ist schwarz-weiß und eindeutig erklärbar". Es gibt böse anonyme Mächte, die uns auf der Jagd nach Profit alle unterjochen möchten - so einfach ist das hier, egal wie kompliziert diese Aussage vom Film auch verpackt und pseudo-nebulös formuliert werden mag.
Wenn wir somit auch frei von Untertönen sind und die Komplexität des Gezeigten nur einem Verschwörungstheorie-ähnlichen Tenor dienen mag, ist das Ganze nicht uninteressant. Egal, wohin sie am Ende führt, die Story ist hochgradig originell und auf mehreren Erzählebenen bzw. aus verschiedenen Betrachtungswinkeln gleichzeitig inszeniert. Das macht sie inhaltlich zwar nicht überzeugender, aber das anspruchsvolle Gewand ist fordernd - und hier schon mal ein Wert an sich, da es im Zusammenspiel mit dem sehr innovativen Look ein Gefühl von Fiebrigkeit erzeugt.
Diese Fiebrigkeit nutzt sich aber nach spätestens der Hälfte der Laufzeit ein ganzes Stück ab - wozu beiträgt, daß in mindestens einem Drittel des Films von der Handlung her fast gar nichts passiert. Hauptsächlich werden wir hier Zeugen von unglaublich anstrengendem, verdrogt-paranoiaartigen Gelabere. Natürlich, es geht in "A Scanner Darkly" ja (auch) um Drogen und darum, was Abhängigkeit aus Menschen machen kann. So gesehen wird uns das sehr intensiv nahegebracht. Irgendwann ist es aber nur noch nervig, die zusammenhanglosen Stumpfsinnsattacken der Protagonisten mitzuverfolgen. Wer jemals nüchtern einige Zeit mit Leuten verbringen mußte, die gerade in ihrer Trip-Welt gefangen waren, wird vielleicht wissen, was ich meine... Das macht keinen Spaß, das bringt keinerlei Erkenntnisse, das strengt einfach nur an.
Davon abgesehen, bieten einige Aspekte der Story für mich noch deutlich blinkende Fragezeichen und erfordern wohl ein nochmaliges Sehen - oder eben vielleicht doch besser das Lesen der Vorlage. Der Innovativität von Bild und Erzählweise wegen vergebe ich 6,5 Punkte, ich hatte mir insgesamt aber doch deutlich mehr erwartet. So wirkt das Ganze zwar über weite Strecken flashig, inhaltlich oft jedoch einfach nur möchtegern-clever, dabei in seiner Aussage zudem sehr, sehr simpel gehalten. Ähnlich vielleicht den Marihuana-geschwängerten Revoluzzer-Reden knapp 50jähriger Sozialarbeiter, die aber echt mal voll den Durchblick haben, ey. |