von Fans für Fans

Level Up

Müdes Spiel

von D.S.
„Spannend, schnell und süchtig machend“? Hmm, da hat der Autor des Textes zu LEVEL UP im FFF-Programmheft wohl einen anderen Film gesehen. Denn all das ist dieser britische Beitrag leider gerade nicht. Dafür fehlt der vielleicht treffendste Begriff in der Aufzählung: ärgerlich. Ärgerlich, weil die ohnehin nicht bahnbrechend neue Storyidee – die zum Beispiel in 13 BELOVED schon vor zehn Jahren wesentlich radikaler umgesetzt worden ist – äußerst bräsig umgesetzt worden ist und jedes Potential verschenkt, wenigstens in stilistischer Hinsicht irgendwie Eindruck zu hinterlassen.

"Schnell" ist dabei noch der harmloseste Euphemismus, denn insgesamt ist das Tempo des Geschehens die meiste Zeit über zumindest akzeptabel. Adrenalinschübe wie bei HARDCORE sollte man aber nicht mal im Ansatz erwarten: Hier rennt Matt, ein wenig bemerkenswerter Durchschnittstyp, halt ziemlich planlos durch East London, nimmt auch mal das Mofa oder die Tube, und gerät ein paar Mal in körperliche Auseinandersetzungen mit Leuten, die sich ihm in den Weg stellen: "Gegner", die für ihn von den Machern eines Reality-Videospiels auserkoren wurden, oder Abgeordnete der Macher selbst.

Diese Macher haben seine Freundin entführt und erteilen ihm per Smartphone nicht eben sehr komplexe Aufträge ("Bringe das Päckchen nach x! Triff dich mit y!"), die es zu erfüllen gilt, damit seine Freundin überlebt. Daran scheint Matt aber offenbar gar nicht so schrecklich viel gelegen zu sein, denn wie sonst wäre sein ständiges Zögern und Hinterfragen der Aufträge zu erklären? Gut, am Ende ist das vielleicht sogar ganz realistisch – er will eben verstehen, was eigentlich los ist. Es behindert aber enorm den Fortgang der Handlung. Und das so oft und hartnäckig, dass man ihn nehmen und „Jetzt mach doch endlich!“ brüllen möchte.

In diesen Momenten wird’s dann doch zäh; noch zäher – und noch viel weniger spannend – aber in Szenen, in denen minutenlang schlicht gar nichts passiert. Außer, dass Matt in der Wohnung von Kleinganoven herumsitzt. Oder einen Monolog mit der Rezeptionistin einer Karaoke-Bar führt. Szenen, bei denen man sich fragt, was sie in der finalen Schnittfassung des Films verloren haben, da sie auch nichts zur Story beitragen. Und davon gibt es einige.

Vielleicht am problematischsten ist aber, dass Matt viel zu wenige Gegenspieler und Missionen präsentiert werden. Wäre LEVEL UP ein Game, wäre man nach einer Stunde durch. Und hätte nicht gemerkt, dass man mehr als ein Level durchgespielt hat – denn weder inhaltlich noch stilistisch sind im Verlauf des Films großartige Veränderungen feststellbar.

Nein, hier fehlt einfach an allen Ecken und Enden die Spannung. Man hat nie das Gefühl, dass wirklich etwas auf dem Spiel steht, echte Gefahr droht. Die Auflösung des Ganzen interessiert dann schon kaum mehr – und ist zudem bereits x-fach besser erzählt worden.

Diverse logische Schwächen und Ungereimtheiten im Handeln Matts fallen da kaum noch ins Gewicht, sind für sich genommen aber auch ärgerlich und verstärken den Eindruck, dass das Drehbuch nicht sonderlich sorgfältig ausgearbeitet worden ist. Wenigstens gibt es zwei, drei Lacher, darunter den misslungensten Mofa-Diebstahl aller Zeiten. Und über das erste Viertel der Laufzeit hinweg wirkt das Set-up zumindest noch interessant. Insgesamt aber sind nicht mehr als 3,5 Punkte drin.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

08.09.2016, 03:29



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