Man nehme einen Neonazi, einen Vergewaltiger, Tankstellenräuber, eine besoffene Schwangere, deren Kind mit einer 60%igen Wahrscheinlichkeit entstellt sein wird und einen geistig nicht ganz anwesenden Pfarrer, stecke sie in einen gemeinsamen Film, in eine gemeinsame Geschichte, in eine gemeinsame Kirche, mit dem fundamentalen Ziel, einen Apfelkuchen zu backen, lehne sich zurück und erfreue sich an 2 Stunden herzerwärmender Satire, bei der schon nach kurzer Zeit die Feststellung reift, dass der Neonazi noch die vernünftigste Person zu sein scheint. Willkommen bei Adam's Apples.
Für mich persönlich ist es die rabenschwärzeste Komödie, die ich je gesehen habe. Des Öfteren suchte ich nach der Moral in der Geschichte, nach Handlungen, Äußerungen, die es mir einfacher machen würden, sich mit einer Person identifizieren zu können. Aber hier trifft Wahnsinn auf Irrsinn, umrahmt von bitterernsten Charakteren, die so tief in ihrer Rolle verwurzelt sind, dass ihre Handlungen alles andere als teilnahmslos vom Zuschauer aufgenommen werden. Doch genau das wäre die Erlösung gewesen, Charaktere, die aufgrund ihrer unglaubwürdig gespielten Rolle bei Seite geschoben werden können, um sich rein dem Klamauk, der Absurdität der Geschehnisse hingeben zu können. Doch soweit lässt Regisseur Anders Thomas Jensen es niemals kommen, bitter ernste Themen werden von bitter ernsten, jedoch stets völlig überzogenen Charakteren ausgefüllt, deren Aktivitäten in dieser tragischen Rahmenhandlung eine gewisse Sensibilität erfordern würden, ein gewisses Fingerspitzengefühl, doch hier erhält man genau das, was man von Neonazis, Vergewaltigern und Räubern erwarten darf, immer wieder Schläge, voll in die Fresse! Extreme emotionale Szenen werden mit belanglosem Einerlei abgehandelt, als gebe es auf dieser Welt nichts, das sich mit der Wichtigkeit eines Apfelkuchens messen könnte, nicht einmal der Tod selbst.
Adam's Apples, dass waren 2 spannende, irrwitzige, "tiefgründige", absurde Stunden, am Ende aber fühlte ich mich etwas leer. Hatte das Ganze nun eine tiefere Bedeutung, oder war das alles völlig sinnentlehrt? Was lässt sich verarbeiten und in der Realität positiv für mich (und vielleicht auch meine Umwelt) umsetzen? Schließlich handelte der Film von Neonazis, vom Glauben, von einer Schwangeren Frau, die dennoch trank und deren Kind eine 60%ige Behinderung davon tragen könnte, von einem geistig gestörten Pfarrer, von Mördern und von deren Resozialisierung.
Am Ende aber hatte ich das Gefühl, das alles diente nur dazu, den Rahmen für eine völlig absurde, monströs kaputte Geschichte zu bilden und hier liegt vermutlich der Faux Pas vergraben. Andererseits hat das Kino nicht die Pflicht uns irgendwelche Moralvorstellungen einzutrichtern oder Lösungen zu geben. Das Kino will uns unterhalten und sucht dabei stets nach neuen Möglichkeiten, die gelangweilten Konsumenten neu anzuregen. Experiment geglückt! |