Seoul Station

Das große Heulen

von Leimbacher-Mario
Sehr sinnvoll & lobenswert war es, neben "Train To Busan" als Abschlussfilm ebenfalls "Seoul Station" als dessen animierten Schwesterfilm & Prequel mit ins Programm des Fantasy Filmfests zu nehmen. Seinem großen Bruder & Kinophänomen wird dieser kleine Animeschmankerl zwar kaum gerecht, jedoch macht er Hunger auf mehr & kann auch allein bestehen. An Zombie-Outbreaks hat man sich zwar mittlerweile satt gesehen, egal ob animiert oder klassisch, jedoch sticht "Seoul Station" aus der grauen Masse hervor. Nicht nur wegen seinem schicken Zeichenstil, auch seine extrem gesellschafts- & systemkritische Einstellung sind Highlights. Obwohl gerade Letzteres seit Romeros Anfängen ja schon ein Klassiker fürs Zombiegenre ist & hier etwas penetrant & redundant eingehämmert wird. Trotzdem ist schon allein deswegen ist die Story des Ausbruchs der Zombieseuche am Seouler Bahnhof eine Bereicherung, Auflockerung unserer Sehgewohnheiten & die angekündigte Blu-ray-Doppelbox mit seiner indirekten Fortsetzung macht großen Sinn & Spaß.

Der Zeichenstil ist wirklich toll & passend endzeitlich blass, wird mit der ohne Längen präsentierten Laufzeit sogar gefühlt besser, intensiver & detaillierter. Trotz ein paar Unschärfen & unrunden Bewegungen ein Augenschmaus vielfach. Das Gegenteil davon für die Ohren sind hingegen die kreischenden, overactenden Stimmen. Diese werden nur von einigen unglaublich, fast schon unfreiwillig komischen Heulsusen-Charakteren getoppt - zwar passend in einer vom Schock getroffenen Welt, jedoch wirklich nervig, unsympathisch & übertrieben. Aber das mögen die Asiaten & Animefans halt. Ich eher nicht. Dafür gefiel mir die spannende Atmosphäre, die selbstgeschuldete Ohnmacht des Staates, die Hilflosigkeit des kleinen Mannes & einige actionreiche Verfolgungsjagden. In Splattergefilde rutscht der zügige Anime nicht ab, dafür trifft einen das düstere Ende samt teuflischem Twist umso heimtückischer. Die letzten 15 Minuten sind für mich bärenstark & wirken nach, hieven die Wertung nochmal gut nach oben.

Fazit: Train To Busan: The Prequel - für Fans des Hauptfilms ein schöner Appetizer. Keine Offenbarung, aber eine drastische Kritik an der koreanischen Gesellschaft & Politik, plus ein hübscher Zeichenstil!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

09.09.2016, 03:31



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