von Fans für Fans

Into the Forest

Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht.

von Alexander
Der folgende Review enthält SPOILER!
„Suddenly I stop
But I know it's too late
I'm lost in a forest
All alone
It's always the same
I'm running towards nothing
Again and again and again and again“

„A Forest“, The Cure

In Frankfurt wurde „Into The Forest“ von Max als einer der ganz wenigen Mystery-Filme in diesem Jahr angekündigt, und ich teile sein offensichtliches Bedauern dafür, dass wir zum 30. Jubiläum reichlich Action und Horror, aber für meinen Geschmack viel zu wenig „Mystery“ auf dem FFF haben.

Leider hat der Film aber selbst für mich als erklärtem Mystery-Fan nicht so wirklich zünden wollen, und dies, obwohl in der Einsamkeit Skandinaviens spielende Geschichten mit düsteren Wäldern und subtilem Horror zu meinen absoluten Lieblingen gehören, selbst wenn sie in Form einer für das Fernsehen produzierten Miniserie a la „Jordskott“ unter der Woche im TV laufen.

Was also lief schief?

Ich denke, dass der Film die Empfindsamkeit und Empathie des geneigten Zuschauers für eine von kleinen Kindern empfundene Welt und deren Ängste einfach überschätzt. Hatte ich zu Anfang noch das Gefühl, die Geschichte würde darauf hinauslaufen, dass die beiden Söhne ihr seltsam agierendes Elternteil verleugnen werden, wie man es in beeindruckender Weise in „Ich seh Ich seh“ erleben durfte, war nach einer der Spannung nicht unbedingt zuträglichen Vorgeschichte irgendwann klar, dass „Into The Forest“ einen viel simpleren, banaleren Weg einschlagen würde, als die Beziehung des Vaters zu seinen Söhnen in den Mittelpunkt zu stellen.

Aus dem Nichts taucht plötzlich eine dunkle Gestalt auf, die in der Abgeschiedenheit der herrlichen Natur seltsam deplatziert und somit zwar umso bedrohlicher wirkt, ohne dass aber jemals erklärt wird, um wen es sich dabei handelt und was die Intention dieser Person ist.

Interessant ist sicherlich, dass man sich bis zum Ende (und darüber hinaus) nicht wirklich im Klaren darüber sein kann, ob die permanent gefühlte Bedrohung für die Kinder nun vom in paranoiden Bahnen kreisenden Vater oder dem „schwarzen Mann“ im Wald ausgeht. An dieser Stelle setzt der Rätselspaß für den Mystery-Fan auch ein, nur fehlt es dem Film einfach an inszenatorischer Tiefe, Atmosphäre und Substanz, um aus diesem dünnen Gerüst eine wirklich packende Geschichte zu konstruieren.

So ließ mich „Into The Forest“ nach sehr langen 103 Filmminuten sowohl ermüdet als auch etwas ratlos im Kinosessel zurück und bei allem Wohlwollen schaffe ich es einfach nicht, mehr als 6 Gnadenpunkte für einen durchschnittlichen Mystery-Grusler zu vergeben.
Alexander
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

09.09.2016, 13:42



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