von Fans für Fans

Another Evil

Geisterspaß für Geist und Seele

von D.S.
Der Gute-Laune-Film des Festivals! Neben YOGA HOSERS und THE GREASY STRANGLER zumindest in Frankfurt bislang der Film, der für die meisten Lacher im Publikum gesorgt hat – ich persönlich hatte stellenweise glatt Tränen in den Augen. Dabei beruht der Humor von ANOTHER EVIL nur in wenigen Fällen auf Situationskomik. Es sind vor allem die haarsträubenden Dialoge und eine einzigartig schräge Figur, die hier für fassungsloses Gelächter sorgen. Und das über zumindest zwei Drittel des Films nonstop – obwohl sich dabei durchaus auch tiefe Tragik über das Geschehen legt.

Zum Inhalt verrät das Programmheft schon alles Wesentliche, eigentlich bereits zu viel: Das schicke Ferienhaus des erfolgreichen Malers Dan in Kalifornien wird von Geistern heimgesucht, von denen mindestens einer creepy genug aussieht, dass man ihn lieber schnellstmöglich loswerden will. Also bestellt man sich einen Geisterhaus-Exorzisten, der nach kurzem Screenen der Lage sagt: Chillt einfach, alles nicht so wild. Hmm. Klingt nicht so überzeugend. Also zieht Dan einen zweiten „Experten“ zu Rate – Os, einen echten Geisterterminatorcowboy (Mark Proksch, BETTER CALL SAUL). Der wittert größere Probleme. Und wird darüber selbst zum allergrößten Problem von Dan und seiner Familie...

Die Handlung ist in diesem kostengünstig, aber mit unglaublicher Spielfreude und einem sich spürbar am rechten Fleck befindlichen Herzen produzierten Indie-Kracher nicht das Entscheidende: Zwar sind die Geisterfallen von Os und seine sonstigen Bemühungen, der paranormalen Lage Herr zu werden, in sich schon amüsant genug. Getoppt werden sie jedoch bei weitem von der Zeichnung seines Charakters als Kontrollfreak-Soziopath, der buchstäblich zu allem bereit ist, um einen echten Freund zu finden. Und ihm aus der Patsche zu helfen. Auch, wenn er sie dabei vielleicht erst recht zur Patsche macht...

Wer Sorge hat, in einem Mumblecore-Film wie diesem würde zu viel geredet und zu wenig gehandelt, der kann beruhigt sein. Die Dialoge ufern niemals aus und sind in den ersten zwei Filmdritteln fast ohne Ausnahme zum Schreien komisch; daneben ist aber auch die Handlung stringent aufgebaut und steuert konsequent auf ein knüppelhart absurdes Finale zu. Dankenswerterweise wählt der Film in diesem übrigens nicht den einfachsten Weg – wie er auch sonst meist erfreulich unvorhersehbar bleibt.

ANOTHER EVIL ist ein echtes kleines Highlight und für jeden, der seine Horrorcomedy gerne etwas intelligenter hat, ein unbedingtes Muss. Zwischenzeitlich nimmt er leider ein bisschen zu lange zu viel Tempo raus, darum von mir nur 7 Punkte. Aber ich hatte definitiv jede Menge Spaß.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

10.09.2016, 04:01



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